Stärkung von Kunst und Kultur in schwieriger Zeit hat Priorität

Neue Vorsitzende des Kulturausschusses – neues Mitglied im Kuratorium 

 

Der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat die Förderung von acht Kulturprojekten beschlossen. Im Rahmen der aktuellen Förderperiode werden diese mit einer Summe von rund 1,58 Millionen Euro finanziell unterstützt.

„Die in den ausgewählten Projekten engagierten Menschen haben – stellvertretend für alle Kulturschaffenden – bewiesen, welche Kraft und Kreativität in der gesamten Kulturbranche stecken. Ihre vielseitigen Konzepte ermöglichen ein auch in der andauernden Pandemie umfassendes Kulturangebot in der Region“, erklärt Ayse Asar, Vorsitzende des Kulturausschusses und Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. „Die Kulturbetriebe haben sich der schwierigen Krisenzeit gestellt und – auch mit Unterstützung des Bundes, des Landes Hessen und vieler weitere Akteurinnen und Akteure – alternative Lösungen, Formate und Bühnen geschaffen, die auch für die Zukunft taugen. Der Zusammenhalt der Kulturinstitutionen und -schaffenden in den vergangenen Monaten ist enger geworden. Es ist großartig, mit wie viel Herz und Leidenschaft in der Kulturbranche gearbeitet wird.“ Für den Kulturausschuss sei bei der Auswahl der Projekte für die nächste Förderperiode besonders wichtig gewesen, Konzepte zu fördern, die Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Kombination mit neuen künstlerischen Ideen aufgreifen: „Die ausgewählten Musik- und Filmfestivals sowie Kunstaustellungen und -produktionen greifen zentrale Herausforderungen auf, vor denen wir als gesamte Gesellschaft stehen: Wie haben wir bisher zusammengelebt, wie können wir in Zukunft miteinander umgehen, welche Werte sind wichtig und wie können wir Brücken zwischen Kulturen, Identitäten und Nationen bauen?“

Diese Fragen sieht auch Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, als wichtige Ankerpunkte, die die kulturellen Angebote in nächster Zeit prägen werden. Mit Blick auf die Rolle des Kulturfonds in der aktuellen Situation hebt sie hervor: „Wir alle haben in den vergangenen 20 Monaten erlebt, dass unser alltägliches Leben, wie wir es bis dahin kannten, nicht selbstverständlich ist. Die Kunst- und Kulturbranche hat, wie nahezu alle anderen Bereiche des Lebens, eine herausfordernde Zeit durchlebt – sie ist von vielen Einschränkungen sogar besonders getroffen worden. Auch wenn wir hoffen, dass die Phase des kompletten Stillstandes und der langen Lockdowns überwunden ist, sind die Pandemie und ihre Auswirkungen für alle Kulturschaffenden nach wie vor spürbar. In dieser andauernden Krisenzeit hat die Unterstützung der gesamten Branche auf allen Ebenen höchste Priorität. Dabei möchten wir finanzieller, beratender und emotionaler Partner zugleich sein.“ Ungebrochen sei während der gesamten Pandemie der Drang, ja die Sehnsucht der Menschen nach kulturellen Angeboten. Beides sei durch die Zeit von Abstandhalten und das Ausweichen in digitale Angebote sogar noch verstärkt worden. „Kulturinteressierte jeden Alters, ob Kinder und Jugendliche oder Erwachsene, sehnen sich nach Begegnungen, Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch und kultureller Unterhaltung und (Weiter-)Bildung. Und auch die Kultureinrichtungen und -organisationen freuen sich, wenn sie ihr Publikum wieder vor Ort begrüßen dürfen. Gleichzeitig haben sie gezeigt, dass auch digitale oder hybride Veranstaltungsformate funktionieren können, angenommen werden und Menschen zusammenbringen“, betont Wolff.

Mit der Förderung der acht Kulturprojekte verfolgt der Kulturfonds das Ziel, unterschiedlichste Bereiche aus dem Kunst- und Kultursektor umfassend zu unterstützen, damit der Umgang mit der andauernden Pandemie erleichtert und die Zukunftsfähigkeit der Kulturinstitutionen im Rhein-Main-Gebiet sichergestellt werden kann. In der neuen Förderperiode stehen dabei vor allem Konzepte und Formate aus den Themenschwerpunkten „Erzählung.Macht.Identität“ und „Internationalität“ im Fokus.

Die Projekte:

Schwerpunktthema „Erzählung.Macht.Identität“

Das Bridges-Kammerorchester vereint überwiegend freiberufliche Musikerinnen und Musiker aus aller Welt mit ihren Instrumenten aus Orient und Okzident, Fernost und Lateinamerika. Die Orchestermitglieder sind Expertinnen und Experten für europäische Klassik, klassische arabische wie persische Musik, Jazz, osteuropäische Folklore und zeitgenössische Musik. Das im Jahr 2019 gegründete Bridges-Kammerorchester plant nun nach zwei Konzertjahren unter Pandemiebedingungen für das kommende Jahr 2022 vier Konzertreihen im Rhein-Main-Gebiet mit insgesamt 11 Konzerten. Im Zentrum der Reihe stehen eigens komponierte und arrangierte transkulturelle Werke, die die Orchestermitglieder (ur-)aufführen werden. Die Aufführungen finden zwischen dem 10. Januar und dem 30. November 2022 statt.

Drei Jahre lang war das Projekt „Paneuropäisches Picknick“ fester Bestandteil des Filmfestivals goEast. Ab dem kommenden Jahr 2022 wird das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum e.V. (DFF) mit „Cinema Archipelago“ ein neues Projekt in das Rahmenprogramm aufnehmen, das virtuelle mit regionalen Programmpunkten verbindet. Eingeladene Kuratorinnen und Kuratoren werden an mehreren Standorten partizipative Programme gestalten, die sich mit Kino(-kultur) und Neuen Medien als Bestandteile des öffentlichen Raums auseinandersetzen und so Brücken zwischen Ost und West bauen. Das Projekt wird vom 1. April bis zum 1. Mai 2022 zu sehen sein. Es wird auch online zur Verfügung gestellt, um so eine noch größere Zielgruppe zu erreichen.

Im Rahmen der Brüder Grimm Festspiele Hanau werden die Inszenierungen und darauf fußende Uraufführungen einzelner Märchen-Motive aus der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen gezeigt, die die UNESCO im Jahr 2005 zum Weltkulturerbe erklärt hat. Jedes Jahr werden neue Interpretationen der Grimm’schen Märchen aufgeführt, die zugleich dem Original verbunden sind. Die 38. Auflage des Festivals läuft vom 13. Mai bis 31. August 2022. Eröffnet wird das Festival im kommenden Jahr mit dem Musical „DROSSELBART!“, das erneut von einer Live-Band begleitet wird. Die Umsetzung des Musicals wird von Prof. Peter Lund (Libretto und Liedtexte) und Wolfgang Böhmer (Komposition) geleitet. Peter Lund ist mehrfacher Gewinner des Deutschen Musicaltheaterpreises, sowohl in der Kategorie bestes Musical (2016) als auch in den Kategorien bestes Buch (2015, 2016), beste Liedtexte (2016, 2018, 2019) und beste Regie (2019). Für die Komposition der Produktion „STELLA“ gewann Wolfgang Böhmer 2016 ebenfalls den Deutschen Musicaltheaterpreis.

Mit dem internationalen Kronberg Academy Festival „Aufbruch“ lädt die Kronberg Academy Stiftung vom 23. September bis 3. Oktober 2022 zu ihrem Neustart im Casals Forums ein: Als neuer Anlaufpunkt für außergewöhnliche Musikerlebnisse im Rhein-Main-Gebiet soll es ein Ort für Begegnungen sein, an dem man etwas über die Musik und viel von der Musik lernen kann. Das Festival bietet 33 Konzerte mit internationalen Spitzenkünstlerinnen und -künstlern: Dazu gehören Auftritte von Klangkörpern unterschiedlicher Größe – von Ensembles, zu denen sich die Festivalkünstlerinnen und -künstler zusammenfinden, über Kammerorchester bis hin zur Kammerphilharmonie: Das Chamber Orchestra of Europe präsentiert sich zum ersten Mal offiziell als ständiges Residenzorchester, das hr-Sinfonieorchester tritt erstmals in Kronberg auf. Zahlreiche Werke des Konzertprogramms, darunter vier Uraufführungen, zeigen, was „Aufbruch“ auch musikalisch bedeutet. Für das Aufbrechen von Konzert-Konventionen stehen u.a. musikalische Klänge aus anderen Kulturen und Genres, Familienkonzerte und die Betrachtung der Verbindung von Musik und Natur. Im Mittelpunkt aller Programmpunkte steht die Leit-Maxime von Pablo Casals: Künstlerinnen und Künstler tragen Verantwortung für Musik, Mensch und Erde. Neben den Konzerten finden im Casals Forum mit seinem erstklassigen Kammermusiksaal auch öffentliche Lehrstunden, Vorträge und Gespräche statt.

Schwerpunktthema „Internationalität“

Fratopia“ versteht sich als ein „Festival der Entdeckungen“ und setzt dabei den Fokus auf „Frankfurt“ und „Utopien“. Das Festival findet vom 14. bis 24. September statt und wird von der Alten Oper Frankfurt ausgerichtet. Präsentiert werden internationale Produktionen, die das Konzertformat neu definieren und einen lebendigen Dialog zwischen Publikum und Künstlerinnen und Künstlern anstoßen. „Fratopia“ ist ein Experimentierfeld für innovative Konzepte, um Musik im Konzertsaal neu erlebbar werden zu lassen. Es ist zugleich ein Bekenntnis zum Standort der Alten Oper im Herzen der Stadt: aufgeschlossen für die Fragen, die die Menschen hier bewegen, und für die Anforderungen, denen sich ein urbanes Konzerthaus im 21. Jahrhundert stellen muss. Wie auch in der ersten Ausgabe des Festivals im Jahr 2021 werden ausdrucksstarke Künstlerpersönlichkeiten nach Frankfurt eingeladen; der Große Saal verwandelt sich in einen „Open Space“: durch Entfernung der Reihenbestuhlung werden neue Raumwirkungen und Begegnungsmöglichkeiten nicht nur mit der Musik, sondern auch mit Musikerinnen und Musikern und mit dem Publikum ermöglicht. Diese Raumöffnung steht im Einklang mit dem Leitbild des Festivals, offen für Schnittmengen von Epochen, Genres und Künsten, für gesellschaftliche Fragen, Visionen, Utopien und neue Vermittlungsformen von Musik zu sein.

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste richtete das PAD Festival erstmals im Herbst 2020 aus. In der Zeit nach dem ersten Lockdown dominierte im Theater noch die Hoffnung, möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren. Der längere zweite Lockdown sorgte jedoch dafür, dass mit alternativen Formaten und Bühnen experimentiert werden musste. Das Theater bediente sich dabei größtenteils bei der Film- und Audiobranche, die ihren Betrieb mit neuen Produktionsmöglichkeiten, angepasster technischer Infrastruktur und dem passenden Know-How aufrechterhalten konnten. Für die zweite Ausgabe des PAD Festivals ergibt sich deshalb nun ein interdisziplinäres, medien- und spartenübergreifendes Programm unter dem Motto „PAD 02 – Performing Arts & Digitalität“. Vom 30. September bis 3. Oktober wird das Festival aufzeigen, was sich zwischenzeitlich verändert hat, und neue Expertinnen und Experten und Allianzen vorstellen. Es wird sowohl im Haupt- als auch im Konferenz- und Onlineprogramm mit „#Liveness“ und „#Interaktion“ thematische Schwerpunkte setzen. Diese beiden Schlagworte prägen die digitalen Innovationen der postpandemischen Darstellenden Künste. Das Festival findet als Kombination aus Online-/at Home- und Vor-Ort-Veranstaltungen statt. Die Vor-Ort-Veranstaltungen werden, wenn möglich, auch gestreamt, so dass das Programm nahezu vollständig auch im Netz verfolgt werden kann.

Das Städel Museum richtet in Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle vom 23. Mai bis 17. September 2023 eine Ausstellung auf Basis der herausragenden Sammlungen des Städel Museums und des Liebighauses aus. Im Zentrum der Ausstellung steht ein Bereich der Kunst, der zwischen Malerei und Skulptur angesiedelt ist: das Relief. Dieser Zwitter aus drei- und zweidimensionaler Gestaltungsweise ermöglicht es Künstlerinnen und Künstlern, sich über die Grenzen zwischen den beiden Gattungen hinwegzusetzen und eigenständige Positionen zu beziehen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre haben die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Reliefs immer mehr an Bedeutung gewonnen: vom Klassizismus, der sich auf die zahlreichen aus der Antike überlieferten Reliefs bezog, über den immer intensiver geführten Dialog des 19. Jahrhunderts zwischen der Bildhauerei und der Malerei bis hin zum endgültigen Ausbruch aus dem Gattungsschema im frühen 20. Jahrhundert. Dabei kam nicht nur die sich grundlegend verändernde Ästhetik zum Tragen, sondern auch die Bedeutung innovativer Techniken. Dies reichte von klassisch-bildhauerischen Verfahren des plastischen Formens und skulpturalen Schaffens bis zum facettenreichen Zusammenfügen unterschiedlichster Medien. Das „Bauen“ von Reliefs in Form von Collagen und Assemblagen wurde zum Ventil für ein neues Raumverständnis. Das Projekt stößt auf Basis der Auseinandersetzung mit Werken höchster Qualität in eine Lücke in der internationalen kunsthistorischen Forschung.

Seit 1981 ist das „Theater der Welt“ eines der weltweit wichtigsten und bekanntesten Festivals für zeitgenössisches Theater und Performance. Es findet alle drei Jahre statt und wird vom deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) an wechselnde Standorte in Deutschland vergeben. Über zweieinhalb Wochen präsentiert das Festival bahnbrechende Aufführungen und Entwicklungen des Theaters aus aller Welt und verbindet diese mit der regionalen Kunst- und Kulturszene des Ausrichterstandortes. Das nächste Festival „Theater der Welt“ findet vom 29. Juni bis 16. Juli 2023 in Frankfurt und Offenbach statt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals fungieren dafür drei gleichberechtigte Partner aus unterschiedlichen Bereichen der Kulturarbeit als Veranstalter und richten das Festival gemeinsam mit dem Offenbacher Amt für Kulturmanagement aus: das Schauspiel Frankfurt, das Künstlerhaus Mousonturm und das Museum Angewandte Kunst. Die Partner begreifen Frankfurt und Offenbach als einen gemeinsamen urbanen Raum, in dem neben Theater und Museum auch andere öffentliche Orte bespielt werden sollen. Die Programmdirektion – erstmals über eine offene internationale Ausschreibung vergeben – übernehmen Chiaki Soma und Kyoko Iwaki vom Produktionskollektiv Arts Commons Tokyo.

Darüber hinaus haben die Mitglieder des Kulturausschusses eine neue Vorsitzende gewählt. Die bisherige stellv. Vorsitzende, Dr. Ina Hartwig, übernimmt ab dem kommenden Jahr 2022 das Amt der Vorsitzenden. Damit folgt die Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main auf Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Als ihre Stellvertreter fungieren Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises, Jochen Partsch, Oberbürgermeister von Darmstadt, Wolfgang Kollmeier für den Main-Taunus-Kreis und Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Des Weiteren haben Prof. Marie-Elisabeth Hecker Helmchen und Andreas Mölich Zebhauser ihren Rückzug aus dem Kuratorium bekanntgegeben, das den Kulturausschuss sowie die Geschäftsführung in kulturellen, repräsentativen und kommunikativen Fragen berät. Für die ausgeschiedenen Kuratoriumsmitglieder wurde Annett Baumeister, Geschäftsleitung und Leitung Kunst und Innovation der Heidelberger Frühling gGmbH und des Internationalen Liedzentrums Heidelberg, als neues Mitglied des Kuratoriums berufen.