12. Dezember 2013 bis 5. Juni 2014
Hörsaal des Museum Wiesbaden


Archaische Männerchöre, ein Mandolinenensemble, ein frei improvisierendes Schlagzeugduo, feinst elaborierte, hoch expressive Flötenmusik – PANAKUSTIKA beginnt mit einem gewagten dramaturgischen Experiment: MARIAHILFF konfrontiert die gleichnamige Band des Trompeters und Schauspielers Lars Rudolph und ihr aktuelles Projekt „Die heilige Cäcilie – oder die Gewalt der Musik“ mit den Wurzeln ihres Erfinders im Avantgarde-Jazz. Die Dramaturgie der „Heiligen Cäcilie“ wird durchbrochen vom frei improvisierenden Schlagzeugduo Schliemann/Deul, sowie von Bernd Alois Zimmermanns Flötensolo „Tempus loquendi“. Ein Versuch mit ungewissem Ausgang.

  • PRAESENZ, © Gregor Löcher
    PRAESENZ, © Gregor Löcher
  • MARIAHILFF, © Maria Rosa Lackner
    MARIAHILFF, © Maria Rosa Lackner
  • Fo[u]r Alto, © Joerg Thieme
    Fo[u]r Alto, © Joerg Thieme
  • PANAKUSTIKA Konzerte für Querhörer, © Gian Gisinger
    PANAKUSTIKA Konzerte für Querhörer, © Gian Gisinger
  • Alexander von Schlippenbach, © Dagmar Gebers
    Alexander von Schlippenbach, © Dagmar Gebers

Der Abend LEISE DRÖHNUNG wiederum erforscht die wesentliche Idee von PANAKUSTIKA in einem nahezu methodischen Versuchsaufbau: gleich drei identisch besetzte Duos von Gitarre/E-Gitarre und Cello treten „gegeneinander“ an. Das Duo leise Dröhnung muss sich einerseits den klischeebeladenen Wurzeln seiner Herkunft und andererseits dem Erfindungsreichtum der frei spielenden Avantgarde stellen. Darmstadts junge Generation trifft auf die Free-Formation Fügemann/Hein sowie auf das Duo Casals mit Musik aus Südamerika, Spanien und nicht zuletzt auf eine neues Stück des vielfach preisgekrönten Jazzpianisten und Komponisten Vadim Neselovskyi.

Einen Bogen zwischen dem cresc… Festival und PANAKUSTIKA spannt Uwe Dierksen – Posaunist des Ensemble Modern und somit einer der Hauptakteure von cresc… Er hat einerseits sein Soloprogramm ROOR im Gepäck: ein Who’s Who der jüngeren deutschen Komponistengeneration, verschnürt und elegant verbunden mit Hilfe eigener Kompositionen und Improvisationen. Andererseits den Jazzpianisten Uwe Oberg als Duopartner auf der Suche nach „wahrer Authentizität“, dem Kernanliegen von Dierksens musikalischer Arbeit.

Einer der Großen des deutschen Free-Jazz ist der Pianist Alexander von Schlippenbach. TWELVE TONE TALES stellt Schlippenbachs Solospiel Werken von Bernd Alois Zimmermann gegenüber, welcher Schlippenbach während seines Studiums an der Kölner Musikhochschule überhaupt erst mit dem System und der Klangwelt der Dodekaphonie vertraut gemacht hat.
Frank Gratkowski wiederum zeigt sich nicht nur als virtuoser Jazzer an Klarinette und Saxophon: in FO[U]R ALTO – lediglich der Titel ist eine Hommage an Anthony Braxton – entwirft Gratkowski als Klangforscher und Komponist eine monochrom schillernde Welt vier mikrotonaler Alt-Saxophone.

MOVING BODIES verwebt Kompositionen und Performances von Kunsu Shim und Gerhard Stäbler zu einer vielschichtigen, sich ständig wandelnden Choreographie. Liebevoll ausgefeilte Klangmomente und poetische Bilder treffen auf krasse Soundexzesse und kruden Witz.

Und schließlich präsentiert PHREN ein Urgestein der experimentellen Improvisationsmusik in Deutschland, dessen Auftritte seit den späten 60er Jahren mit eiserner Konsequenz an den Ohren ihrer Zuhörer nagen: Einerseits in fein ausgearbeiteter Trioformation, andererseits im großbesetzten Musiktheater in Endzeitlaune.