Ausstellungen, Performances, künstlerische Interventionen
11. Dezember 2010 bis 13. Februar 2011
Frankfurter Kunstverein, MMK Zollamt, weitere Orte in Frankfurt am Main, Rhein-Main-Zeitung


Frankfurt Rhein-Main ist mit einer Fülle an Museen, Ausstellungsorten, Atelierräumen und Kunstförderern sowie der profilierten Städelschule ein wichtiger Ort der internationalen Kunstszene. Auch haben viele bedeutende, international tätige Künstler einen biografischen Bezug zur Mainmetropole. „New Frankfurt Internationals“ verweist auf dieses große künstlerische Potential. Gezeigt werden Arbeiten von 40 Künstlern, die in Frankfurt und Umgebung leben und/oder an der Städelschule, an der Akademie für Bildende Künste der Universität Mainz oder an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert haben und inzwischen zum Teil bereits zu den „new internationals“ im Kunstbetrieb gehören. Das Projekt umfasst eine Ausstellung, eine Performancereihe sowie künstlerische Interventionen in der Rhein-Main-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „New Frankfurt Internationals“ ist eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Kunstverein (FKV), dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule und ist als wiederkehrendes Ausstellungsformat geplant.

  • Claus Richter „Great expectations”, 2010, Installationsansicht MMK Zollamt, © Foto: Axel Schneider MMK, Frankfurt am Main, the artist and Galerie Eva Winkler, Köln
    Claus Richter „Great expectations”, 2010, Installationsansicht MMK Zollamt, © Foto: Axel Schneider MMK, Frankfurt am Main, the artist and Galerie Eva Winkler, Köln
  • Carsten Fock „Kosmos der Angst“, 2010, Ausstellungsansicht MMK Zollammt, © Foto: Axel Schneider MMK, Frankfurt am Main, Courtesy SEPTEMBER, Berlin und Galerie Eva Winkler, Frankfurt am Main
    Carsten Fock „Kosmos der Angst“, 2010, Ausstellungsansicht MMK Zollammt, © Foto: Axel Schneider MMK, Frankfurt am Main, Courtesy SEPTEMBER, Berlin und Galerie Eva Winkler, Frankfurt am Main
  • Anny u. Sibel Öztürk „Ring, Ring, Ring“, 2009, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2010, Foto: Norbert Miguletz, 2010 © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artists
    Anny u. Sibel Öztürk „Ring, Ring, Ring“, 2009, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2010, Foto: Norbert Miguletz, 2010 © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artists
  • Nina Tobien „All things are ready if our minds be so“, 2010, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, Foto: Norbert Miguletz, 2010; © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist
    Nina Tobien „All things are ready if our minds be so“, 2010, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, Foto: Norbert Miguletz, 2010; © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist
  • Mario Pfeifer „A formal film in nine episodes, prologue & epilogue“, 2010, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, Foto: Norbert Miguletz, 2010; © Frankfurter Kunstverein, Courtesy Koch Oberhuber Wolff & Mario Pfeifer
    Mario Pfeifer „A formal film in nine episodes, prologue & epilogue“, 2010, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, Foto: Norbert Miguletz, 2010; © Frankfurter Kunstverein, Courtesy Koch Oberhuber Wolff & Mario Pfeifer

„Die Internationalität der beteiligten Künstler, von denen viele bereits in ihrer jungen Laufbahn weltweit in renommierten Museen der Gegenwartskunst, auf Biennalen und Kunstmessen vertreten sind, ist Ausdruck des weit über die Stadtgrenzen und Deutschland hinaus geschätzten Angebots Frankfurts in der Lehre, Vermittlung und Präsentation zeitgenössischer Kunst“, erklärt Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth. „Dieses besondere Projekt setzt somit ein national und international wichtiges Signal für junge Kunst aus Frankfurt und der Region und zeigt einmal mehr, dass Frankfurt Rhein-Main zu den bedeutenden Zentren der internationalen Kunstszene zählt“, erläutert der Kulturdezernent weiter.

Der Untertitel „Stories and Stages“ bildet die inhaltliche Klammer für die erste Ausgabe des Projektes und spiegelt das große Interesse einer jüngeren Generation von Künstlern wider, sich vermehrt mit Erzählstrategien und -techniken auseinanderzusetzen. Erzählungen sind subjektiv gefärbt und entstehen in vielen alltäglichen Momenten wie beispielsweise beim Fernsehen oder im Gespräch mit Freunden. Es wird erzählt, um Zusammenhänge herzustellen, um Wissen zu vermitteln oder um Weltsichten zu produzieren, die Ordnungen und Strukturen schaffen. Häufig wird gerade dann nach neuen Formen des Erzählens gesucht, wenn bestehende narrative Formen durch politische, soziale oder wissenschaftliche Umwälzungen in Frage gestellt werden. Besonders in der Kunst lassen sich Erzählformen finden, die das Erzählte selbst reflektieren, Unbestimmtheit zulassen und so Potentiale der Veränderlichkeit des jeweils Dargestellten eröffnen. Solchen Formen des Narrativen widmen sich auch die an diesem Ausstellungsprojekt beteiligten Künstler. Mithilfe von Fragmentierungen oder Montagen lösen sie gängige narrative Muster auf, durchkreuzen ihre Sinnzusammenhänge und erschaffen eigene, visuelle Erzählformen.

Die im Frankfurter Kunstverein gezeigten Werke nehmen zumeist auf konkrete Geschichten oder Ereignisse Bezug. Im Vordergrund steht die Frage, wie erzählt wird und wie die verwendeten Medien und Techniken den Verlauf und die Deutung einer Geschichte prägen können. Oftmals sind diese Arbeiten szenisch angelegt oder beinhalten Bühnen, auf denen die Künstler ihre Erzählungen aufführen. Die Arbeiten, die im MMK Zollamt präsentiert werden, verwenden alltägliche Materialien oder Symbole und kombinieren diese miteinander, um auf mögliche Handlungen, Räume oder Zeitverläufe zu verweisen. Das Narrative spielt sich hier vordergründig im Kopf des Betrachters ab, bezieht seine Erfahrungen mit ein und regt zur Entwicklung von Geschichten an. Eine räumliche Klammer zwischen den beiden Ausstellungsorten bilden drei ortsbezogene Installationen, die sich mit dem Abbruchgelände des ehemaligen Technischen Rathauses auseinandersetzen.

Der dritte, experimentelle Ort der Ausstellung ist die „Rhein-Main-Zeitung“, der Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Während der Ausstellungsdauer gestaltet wöchentlich ein Künstler eine Zeitungsseite und beschäftigt sich mit der ihr eigenen dokumentarischen Erzählform sowie dem Verhältnis von Text und Bild. Eine besondere Form des Erzählens entsteht zudem bei Performances. Einige Absolventen der Städelschule zählen zu wichtigen Vertretern dieser Kunstform. Im Rahmen der sechsteiligen Performancereihe zeigen die hier beteiligten Künstler in ihren Beiträgen und künstlerischen Inszenierungen im öffentlichen Raum in der Frankfurter Innenstadt weitere Facetten des Erzählens.

„New Frankfurt Internationals: Stories and Stages“ präsentiert Arbeiten von:
Katinka Bock, Shannon Bool, Michele Di Menna, Thomas Erdelmeier, Ximena Aburto Felis, Carsten Fock, Dani Gal, Heike Gallmeier, Murray Gaylard, Nathalie Grenzhaeuser, Mauricio Guillén, Janus Hochgesand, Leonard Kahlcke, Daniel Kannenberg, Thomas Kilpper, Dirk Krecker, Maria Loboda, Shane Munro, Marina Naprushkina, Martin Neumaier, Sarah Ortmeyer, Anny und Sibel Öztürk, Mario Pfeifer, red park, Claus Richter, Michael Riedel, Dan Starling, Rebecca Ann Tess, Nina Tobien, Tris Vonna-Michell, Jeronimo Voss, Eva Weingärtner, Adrian Williams, Barbara Wolff, Leo Wörner, Holger Wüst, Naneci Yurdagül.

Kuratoren der Ausstellung und des Zeitungsprojektes:
Lilian Engelmann (FKV) und Bernd Reiß (MMK)
Kurator der Performancereihe: Jonas Leihener (Städelschule)

Anlässlich des Projekts produzieren unter anderem Shannon Bool, Carsten Fock Murray Gaylard, Anny und Sibel Öztürk, Claus Richter und Adrian Williams Künstlereditionen.

Zusätzlich zu den Performance-Beiträgen wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Programm aus Künstlergesprächen, Vorträgen und einem Filmabend begleitet. Als weiterführende Informationsmedien stehen ein umfangreicher Kurzführer und die Webseite www.newfrankfurtinternationals.de zur Verfügung.

Das Projekt wird ermöglicht und gefördert durch das Kulturamt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. „Innovativen Kooperationsprojekten den Boden zu bereiten, ist uns ein besonderes Anliegen. Ein Musik-, Theater- und Tanzlabor der Moderne für Frankfurt Rhein-Main haben wir bereits mit ermöglicht: das Frankfurt LAB. Neben dem zeitgenössischen Tanz fördern wir neue Ausdrucksformen in der Musik, wir unterstützen Theatertalente, fördern die Literatur der Gegenwart und natürlich die aktuelle Bildende Kunst. ‚New Frankfurt Internationals‘ vernetzt die Region und bewirkt damit internationale Ausstrahlung. Das entspricht unserem Auftrag in idealer Weise“, erläutert der Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Herbert Beck, das Engagement.

Partner des Projekts ist die „Rhein-Main-Zeitung“, der Regionalteil der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.).

Ausstellungsorte:
Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main, www.fkv.de und MMK Zollamt, Domstr. 10, 60311 Frankfurt am Main, www.mmk-frankfurt.de