Veranstaltungsreihe
Oktober 2010 bis Oktober 2011
Frankfurt am Main


Ausstellung „Time/Bank“ der Veranstaltungsreihe „Art & Life“
7. Mai bis 26. Juni 2011
Portikus, Alte Brücke 2 / Maininsel, Frankfurt am Main

Am 7. Mai wird der Portikus in eine Bank umgewandelt. Die im Jahr 2009 von den Künstlern Julieta Aranda und Anton Vidokle ins Leben gerufene Time/Bank ist eine Plattform, die es ermöglicht, Waren und Dienstleistungen ohne den Einsatz von Geld zu tauschen. Mit weltweit mehr als tausend Kontoinhabern erlaubt Time/Bank es Gruppen und Einzelpersonen, Zeit und Fähigkeiten zu handeln und dadurch ihr eigenes Zeit-Guthaben anzulegen. Time/Bank schafft eine immaterielle Währung und somit eine parallele Mikroökonomie für die Kulturszene. Den Tauschaktivitäten, die im Kunstbereich ohnehin schon existieren, wird so ein neuer Wert verliehen.

  • © Foto: Time/Bank
    © Foto: Time/Bank
  • © Foto: Time/Bank
    © Foto: Time/Bank
  • © Foto: Time/Bank
    © Foto: Time/Bank

Im Portikus wird die Time/Bank aus vier Hauptkomponenten bestehen: eine Präsentation künstlerischer Entwürfe für die zeitbasierte Währung; eine Druckmaschine und ein Bankschalter, mit denen die „Hour Notes“ gedruckt und in Umlauf gebracht werden (ein Schein pro Stunde); ein Archiv mit Notgeld-Scheinen – der legendären deutschen Alternativwährung, die während der Hyperinflation der 1920er Jahre entwickelt wurde; und dem Time/Store, einem Shop, der eine breite Auswahl an Waren, Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen sowie Künstlereditionen und Bücher des Portikus anbietet.

Die Time/Bank im Portikus lädt überdies zu einer Reihe öffentlicher Seminare und Vorträge ein. Die Gäste sind der Theoretiker und Aktivist Franco Berardi (Bifo), Paul Glover, Gründer des alternativen Währungssystems Ithaca Hours, die Anthropologin Elizabeth Povinelli von der Columbia University und die Künstler von Raqs Media Collective.

Die Frankfurter Zweigstelle der Time/Bank beinhaltet ein Netzwerk ortsansässiger Kunstinstitutionen und Organisationen, die während der Laufzeit der Ausstellung die von dem amerikanischen Künstler Lawrence Weiner entworfenen „Hour Notes“ als gültiges Zahlungsmittel akzeptieren. In den teilnehmenden Einrichtungen wie dem MMK Museum für Moderne Kunst, der Schirn Kunsthalle oder dem Jüdischen Museum können mit der Time/Bank Währung Eintrittskarten erworben und Einkäufe im Buchladen oder der Cafeteria getätigt werden.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung wird der Portikus ein Buch veröffentlichen, das sich mit Fragen von Zeitqualitäten, der Ökonomie des Schenkens, Alternativwährungen und verwandten Themen auseinandersetzt. Das Buch wird eigens verfasste Aufsätze und Illustrationen sowie Beiträge von den Mitgliedern der Time/Bank enthalten.

Julieta Aranda und Anton Vidokle arbeiten seit 2003 an zahlreichen gemeinsamen Kunstprojekten, zum Beispiel dem e-flux video rental, ein Kunstwerk in Form eines kostenlosen Videoverleihs, der 2004 in New York gegründet wurde und seitdem in unterschiedlichsten internationalen Kunstinstitutionen präsentiert wurde, darunter KW, Berlin, Extra City, Antwerpen, Portikus, Frankfurt, Lyon-Biennale und Fundação Gulbenkian, Lissabon. Im Jahr 2007 eröffneten Aranda und Vidokle den Pawnshop, eine Pfandleihe für Kunst, die mit dem Anbruch der Wirtschaftskrise 2008 in New York Bankrott ging und ein Jahr später im Vitamin Creative Space in Beijing wiedereröffnet wurde. Gemeinsam mit Brian Kuan Wood geben Aranda und Vidokle das e-flux journal heraus.

Partnerinstitutionen der Time/Bank:
The Forsythe Company, HFG Offenbach & basis Frankfurt e.V., Robert Johnson, Literaturhaus Frankfurt, Kulturamt Frankfurt am Main, MMK Museum für Moderne Kunst, Schirn Kunsthalle, Städelschule, Jüdisches Museum

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht die Time/Bank im Frankfurter Portikus. Die Ausstellung ist Teil des mehrjährig angelegten Projektes Art & Life der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, in dessen Rahmen weltweit führende Vertreter aus Kunst, Architektur und Wissenschaft einen Ansatz entwickeln, der Kunst und Leben strukturell aufeinander bezieht. Art & Life wird vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain seit Oktober 2010 und bis 2013 finanziell getragen.