Europa und Rhein-Main im frühen Mittelalter

Ausstellung
2011 bis 2016
Historisches Museum Frankfurt, Solmsstraße 18, Frankfurt am Main


Eine regelrechte Bilderflut bestimmt unsere Gegenwart, sie dominiert alle Lebensbereiche: Bilder beeinflussen unser Konsumverhalten und Denken, sie prägen unsere Lebenswelt, und das häufig, ohne dass wir uns ihrer Macht bewusst sind. Diese Vielfalt und Allgegenwart der Bilder ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Resultat einer langen historischen Entwicklung. Der Umgang mit Bildern war und ist ein Ausgangspunkt für Debatten und Konflikte.

  • Visualisierung des Neubaus für das historische museum frankfurt, Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart, 2011
    Visualisierung des Neubaus für das historische museum frankfurt, Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart, 2011
  • Torhalle Lorsch, Quelle: Wikipedia
    Torhalle Lorsch, Quelle: Wikipedia
  • Einhardsbasilika Seligenstadt, Foto: Luidger, Quelle: Wikipedia
    Einhardsbasilika Seligenstadt, Foto: Luidger, Quelle: Wikipedia

Unter den Karolingern fand hier in Frankfurt und der Region Rhein-Main eine Weichenstellung statt. Von hier geht, so lässt sich zugespitzt sagen, die historische Entwicklung aus, welche die Bildwelt der Moderne geschaffen hat. Zugleich ist das 9. Jahrhundert die Epoche, in der Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet erstmals eine zentrale politische Bedeutung erhalten haben.

Unter König Ludwig „dem Deutschen“ (840–876) wurde sie zur Hauptregion des neuen Ostfränkischen Reiches, sie strahlte nach ganz Europa aus und sie sammelte Anregungen und Ressourcen aus dem gesamten Reich Karls des Großen. Die erste Sonderausstellung im neu errichteten historischen museum frankfurt soll Objekte aus dieser Region im Zusammenhang mit der europäischen Überlieferung und im Kontext herausragender Stücke der karolingischen Kunst und Kultur zeigen. Zugleich ist ein ganzes Bündel von Aktivitäten und Veranstaltungen in der gesamten Region geplant – die Karolinger kommen in die Region!

Im letzten Jahrzehnt entstand ein neues Bild der Karolingerzeit. In diesem neuen Bild ist die Epoche der Erben Karls des Großen von besonderer Bedeutung. Sie wurde zumeist als Zeit des Verfalls und des Überganges gewertet – in Wahrheit ist es eine künstlerisch ungemein produktive Zeit. Es ist gerade die politische Konkurrenz der Erben Karls, welche die künstlerische Produktion anheizt. Denn trotz des politisch-programmatischen Festhaltens an einem einheitlichen Reich treiben im Zeitraum vom Tod Karls des Großen 814 bis etwa 920 (dem Beginn der „sächsischen“ Herrschaft im Osten) der Ost- und der Westfränkische Reichsteil auseinander, sie bilden eigene Identitäten aus. Dieser faszinierende Prozess lässt sich an der künstlerisch-kulturellen Produktion, ihren Vorbildern und Wechselwirkungen sichtbar machen. Es ist die kreative Kraft unserer Region, die sich in der Ausstellung zeigen soll.

Die Ausstellung „Die Karolinger und die Bilder“ ist zugleich als Forschungsausstellung angelegt. In einer ersten Phase (bis 2013) werden Inhalte und Thesen des Projekts von Spezialisten verschiedener Disziplinen zusammengetragen und diskutiert. Die Ergebnisse werden im Jahre 2013 in einer öffentlichen Tagung vorgestellt, um dann Grundlage der Ausstellungsplanung zu werden.

Ansprechpartner:

Historisches Museum Frankfurt, Projektbüro Karolinger
Oliver Ramonat,