1200 Jahre Mythos und Wirklichkeit
2. November 2014 bis 25. Januar 2015
Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, Darmstadt


Am 28. Januar 814 starb Karl der Große in seiner Pfalz zu Aachen, am 29. Januar war er bereits Geschichte. Unmittelbar nach seinem Tode brach eine neue Zeit an, die sich aber weiterhin seiner bediente. Somit nahm am 29. Januar 814 die Rezeption Karls des Großen ihren Anfang, überdauerte mit Höhen und Tiefen bis heute und erlebt 2014, im 1200. Todesjahr des großen Karolingers, eine erneute Blüte.

Als Legende, Mythos und Symbolfigur für Einfluss, Macht und Visionskraft erntete der Frankenherrscher posthum fast noch mehr Verehrung und Anerkennung als zu Lebzeiten. Jedoch hat dieses Nachleben auch seinen Preis. Der Name Karls des Großen wurde durch die Jahrhunderte unzählige Male verwendet und dies nicht immer nur im positiven Sinne. Warum stieg der Stern des frühmittelaltlichen Regenten nach seinem Tode immer noch höher? Wer fand Mittel und Wege, seine Ziele über Karl als Vehikel der Macht zu erreichen? Herrscher oder solche, die es werden wollten, suchten und fanden ihre Legitimation in der Abstammung von Karl dem Großen; Kirchen- und Stadtgründungen (Großmünster/Zürich, Frankfurt a. M., Minden, Hamburg) basieren auf Legenden über Karl den frommen Katholiken; sogar Brauereien wählten ihn zum Werbeträger ungeachtet der Tatsache, dass Karl dem Alkohol kritisch gegenüber gestanden haben soll. Die Trennlinie zwischen Wirklichkeit und Mythos ist ausgerechnet bei der berühmtesten Herrscherpersönlichkeit in der europäischen Geschichte so schwer zu ziehen – oder begründet sich sein anhaltender Ruhm gerade auf sein großes Potential als Projektionsfläche für seine Nachkommen?

Die Ausstellung ist in vier große Themengebiete gegliedert, die chronologisch und inhaltlich aufeinander aufbauen und miteinander verbunden sind. Sie spiegeln die Rezeption Karls des Großen im Bereich der Kunst, des Kunsthandwerks sowie den nachhaltigen Reformen, in den verschiedenen Literaturgattungen Deutschlands und Frankreichs und im Historismus, der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus bis ins heute zum Kult um seine Person als „Vater Europas“.