29. September bis 1. Oktober 2011
Darmstadt, Frankfurt am Main, Hofheim


Jazz war die Musik des 20sten Jahrhunderts, die Musikform, die als expressive Kraft weit über ihr eigenes Genre hinausgewirkt hat. Selbst im 21sten Jahrhundert gehört der Jazz nach wie vor zu den kreativsten und inspirierendsten Musikformen, weil er durch die ihm eigenen Techniken, allen voran die Improvisation, Musiker zum spontanen Ausdruck ihrer selbst fordert, wie dies sonst kaum eine Kunst tut.

Jazzsymposium

Frankfurt galt lange Zeit als „Jazzhauptstadt Deutschlands“. Hier gab es am Hoch’schen Konservatorium in den 1920er Jahren den ersten Studiengang zum Jazz überhaupt. Nach dem Krieg war die Präsenz der Amerikaner für ein lebendiges Jazzleben der Stadt (und der Region) wichtig. Aktuell sind aber Köln und Berlin die wichtigeren Orte für Jazz und dessen Vermittlung geworden. Das gemeinsame Ziel des Jazzinstitut Darmstadt und des Kulturfonds Frankfurt RheinMain ist es, die Region im Bereich des Jazz wieder interessanter zu machen, Musikern Wirkungsmöglichkeiten zu geben, dem Publikum interessante und spannende Musik zu bieten, und – zuallererst – daran mitzuwirken, dass die gegenwärtig heranwachsende Generation den Jazz nicht länger als intellektuell abgehobenes Genre, sondern als inklusive, ungemein spannende musikalische Kommunikation wahrnimmt.

Das 12. Darmstädter Jazzforum widmet sich der Vermittlung von Jazz insbesondere im schulischen Bereich wie auch in den tagesaktuellen Medien. Dabei stehet im Mittelpunkt, welchen Stellenwert Jazz etwa im Unterricht besitzt, wie er in Lehrpläne eingebaut werden kann, welche unterschiedlichen pädagogischen Ansätze sich mit jazz-affinen Themen verbinden lassen oder worauf die Musiklehrerausbildung achten muss, um Jazz und Popularmusik im Unterricht an Allgemeinbildenden Schulen gezielt einsetzen zu können. In einem zweiten Block soll der Stellenwert, den Jazz heute in den tagesaktuellen Medien spielt, also in Tageszeitungen, Blogs etc. diskutiert werden. Jazzmusiker werden nach ihren Strategien gefragt, wie in einer Zeit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne Lust auf die Konzentration, die der Jazz verlangt, gemacht werden kann. Um so die Neugier auf das spontane Experiment der musikalischen Improvisation zu wecken.

All das geschieht im lockeren Rahmen eines öffentlichen Symposiums am 29. Juni in der Zeit von 14 – 18 Uhr im Literaturhaus Darmstadt, bei dem Musikwissenschaftler, Historiker, Schulmusiker, Journalisten und Musiker– sich dem Thema von verschiedenen Seiten nähern und gemeinsam mit dem Publikum in einen Diskurs über den Zustand Jazzvermittlung treten.

Das Jazzforum wird dabei von praktischen Maßnahmen begleitet, etwa einer anerkannten Lehrerfortbildung (jazz:schule), die in Frankfurt und Hofheim angeboten werden, und einem Workshop für Journalisten (jazz:kritik), die für tagesaktuelle Medien schreiben. Daneben werden die gefeierte Pianistin Julia Hülsmann und der Sänger Daniel Mattar noch einen Workshop zum Thema Songwriting abhalten (song:writing).

Konzerte gibt es während des Jazzforums mit Angelika Niesciers sublim, Julia Hülsmann & Daniel Mattar, der Schweizer Formation „Keller’s 10“ und dem Trompeter Nils Wülker mit seiner Band an verschiedenen Orten in Frankfurt, Darmstadt und Hofheim.

Die durch das Jazzforum angestoßenen Diskurse sollen vor allem auch Argumente liefern, warum Jazz nach wie vor eine aktuelle und wichtige Musik ist, eine Musik, die Spaß macht und zugleich so viel über das menschliche Miteinander aussagen kann.

Das Darmstädter Jazzforum ist eine Fachtagung, richtet sich aber zugleich an eine interessierte Öffentlichkeit. Wir schaffen dabei genügend Raum für Diskussionen und Gespräche und hoffen, dass diese Nachhall finden – bei den Teilnehmern genauso wie beim zuhörenden Publikum.

Das 12. Darmstädter Jazzforum ist eine Veranstaltung des Jazzinstituts Darmstadt und der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es wird ermöglicht vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. jazz:schule ist eine Kooperation mit der Jazzinitiative Frankfurt e.V., dem Club der Jazzfreunde Hofheim e.V., dem Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V., der Stiftung Dr. Hoch’s Konservatorium, Frankfurt/Main sowie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt/Main. song:writing ist eine Kooperation mit der Stadtkirche Darmstadt.