8. Dezember 2011 bis 12. Februar 2012
Altana-Kulturstiftung, Sinclair-Haus, Löwengasse 15, Bad Homburg


Die Ausstellung von Zeichnungen, Aquarellen und Collagen von Franz Marc (1880–1916) und Joseph Beuys (1921–1986), welche den Schlusspunkt des Kooperationsprojektes „Phänomen Expressionismus“ des Kulturfonds Frankfurt RheinMain bildet, ermöglicht erstmals einen spannungsvollen Vergleich dieser beiden bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts.

Franz Marc „Gelbe Kuh“, 1911, © Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle, Sammlung Kracht, Foto: Klaus Göltz

Mit einer gezielten Auswahl veranschaulicht sie die gemeinsamen Wurzeln, auf die Joseph Beuys und Franz Marc in ihrem Denken zurückgreifen. In der Bad Homburger Ausstellung werden zudem Skulpturen und Grafiken von Ewald Mataré (1887–1965) gezeigt, der als Zeitgenosse Franz Marcs und als Lehrer von Joseph Beuys stilistisch eine wichtige verbindende Funktion hat.

Franz Marc und Joseph Beuys teilten eine spezifische Auffassung der Natur als eines nahezu sakralen Phänomens. Sie vertrauten auf die Erneuerungskraft und die alles überdauernde Vitalität der Natur. Marcs Zeichnungen und Gemälde halten uns ein wiederzuerlangendes Paradies vor Augen, ein Leben in Harmonie mit der Natur, das der Mensch mit den „Segnungen“ von Zivilisation und Technik verloren hat. Sowohl Franz Marc als auch Joseph Beuys setzten ihre Naturverbundenheit und ihre christlich geprägte Weltanschauung jeweils in Werke um, die alles kreatürliche und pflanzliche Leben in den großen Zusammenhang der Natur stellen. Wie das Pferd bei Franz Marc zum Symbol des Spirituellen wird, so beziehen Hirsch und Schwan, Biene und Hase bei Beuys ihre besondere Symbolkraft aus christlichen, literarischen, biologischen Zusammenhängen, die der Künstler in seinem Oeuvre in eine eigene Mythologie ummünzte. Es verband sie darüber hinaus ihr Glaube an die verändernde Kraft der Kunst. Franz Marc sah in einer „neuen“ Kunst geistige Kräfte am Werk, die seiner Ansicht nach geeignet waren, einen allgemeinen Gesinnungswandel einzuleiten. Beuys dagegen, dessen Gesellschaftskritik von vergleichbaren Ansätzen wie Franz Marc ausging, setzte seine Vorstellungen zum Teil in konkretes politisches Engagement um und griff mit bestimmten Aktionen konkret in Gestaltung und Veränderung der Umwelt ein.

Ewald Mataré war mit der Bedeutung, die er dem Tier als Symbol für das Kreatürliche beimaß, ein Mittler zwischen den Anfängen der expressionistischen Moderne in Deutschland und Joseph Beuys. Die wichtigsten, mit einem eindrucksvollen Willen zu unbedingter formaler Klarheit umgesetzten Themen von Matarés Kunst sind das Tier und die Landschaft. Die Konstante seiner künstlerischen Arbeit war das Streben nach Vereinfachung, Verdichtung und Sichtbarmachung. Diese Aspekte repräsentierten für Ewald Mataré die innere Ordnung der Natur – wie sie auch für Franz Marc und Joseph Beuys von entscheidender Bedeutung waren.