18. September bis 27. September 2015
Oper Frankfurt, Untermainanlage 11, Frankfurt a. M.

1845 schrieb Hans Christian Andersen eines seiner bis heute eindringlichsten Märchen vom kleinen Mädchen, das in der Kälte einer ignoranten Gesellschaft erfriert. Rund 150 Jahre später wird Andersens Kind zur Terroristin – in Helmut Lachenmanns Oper verschränkt sich die Figur mit der Geschichte der RAF-Aktivistin Gudrun Ensslin. Wäre das Mädchen erwachsen geworden, hätte es mit seinen Schwefelhölzern vielleicht Bomben gezündet. Helmut Lachenmann, radikaler und wegweisender Komponist der Moderne, bezeichnet sein Werk als eine Musik mit Bildern. Dabei verzichtet er auf eine am Libretto nachvollziehbare Handlung: Die Welt der Partitur ist fragmentiert, Sinnhaftigkeit kann sich nicht mehr in logische Sprachliche Zusammenhänge retten. Vielmehr sind es die Töne selbst, die beredt werden und sich zu Bildern entfalten. Lachenmann zieht sie ins Gestenhafte und Theatrale, verlagert den szenischen Vorgang in die Musik und gestaltet seine Klänge zugleich so konkret und haptisch, dass sie eine eigene physische Realität eröffnen. Kein Ton wird auf konventionelle Weise erzeugt. Der emotionale Grundton, der in jeder Faser der Partitur hörbar wird, ist die Kälte.

Musik mit Bildern Text vom Komponisten Helmut Lachenmann (* 1935) nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen sowie mit Texten von Leonardo da Vinci und Gudrun Ensslin Uraufführung am 26. Januar 1997, Hamburgische Staatsoper

Foto: Monika Rittershaus