Inszenierung von Rebecca Horn
Premiere 1. Mai 2010
Hessisches Staatstheater Wiesbaden


Wie in den vergangenen Jahren eröffnet das Hessische Staatstheater Wiesbaden die Internationalen Maifestspiele mit einer Literaturoper der klassischen Moderne. Generalmusikdirektor Marc Piollet und die Künstlerin Rebecca Horn entwickeln, ausgehend von der hochexpressiven Musik, unerwartete Bilder zu der spannungsgeladenen Handlung um den Rachewunsch der Königstochter Elektra. In den weiblichen Hauptrollen sind Lisa Livingston (Elektra), Janice Dixon (Chrysothemis) und Renée Morloc (Klytämnestra) zu erleben.

  • Richard Strauss „Elektra“, Antonio Paucar (der Blutbewahrer), Foto: Martin Kaufhold
    Richard Strauss „Elektra“, Antonio Paucar (der Blutbewahrer), Foto: Martin Kaufhold
  • Richard Strauss „Elektra“, Lisa Livingston (Elektra) und Reneé Morlock (Klytämnestra), Foto: Martin Kaufhold
    Richard Strauss „Elektra“, Lisa Livingston (Elektra) und Reneé Morlock (Klytämnestra), Foto: Martin Kaufhold
  • Richard Strauss „Elektra“, Janice Dixon (Chrysothemis), Lisa Livingston (Elektra) und Opernchor Damen, Foto: Martin Kaufhold
    Richard Strauss „Elektra“, Janice Dixon (Chrysothemis), Lisa Livingston (Elektra) und Opernchor Damen, Foto: Martin Kaufhold

Intendant Dr. Manfred Beilharz freut sich, dass mit Rebecca Horn eine weltbekannte Künstlerin für die Neuproduktion der „Elektra“ gewonnen werden konnte. Sie war 2008 bei den Salzburger Festspielen verantwortlich für Inszenierung, Bühne und Kostüme der Oper „Luci mie traditrici“ von Salvatore Sciarrino und feierte mit ihrer starken Bildsprache einen großen Erfolg. Die mehrmalige documenta-Teilnehmerin und Professorin an der Hochschule der Künste in Berlin arbeitet mit unterschiedlichen Medien: Zeichnung, Skulptur, Installation, Kinetik, Fotografie, Performance, Aktion, Video, Film und Text. Ihre Performances haben häufig den eigenen Körper und sein Sensorium zum Thema.

Anstoß für die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden gab auch ihre Arbeit „Jupiter im Oktogon“, die sie zusammen mit großflächigen Zeichnungen und weiteren Installationen 2007 im Museum Wiesbaden (auf Einladung von Direktor Volker Rattemeyer) anlässlich der Übergabe des Alexej von Jawlensky-Preises der Landeshauptstadt zeigte. Werke von Rebecca Horn sind im Museum auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Seit dem Mord an ihrem Vater Agamemnon, der von Aegisth, dem Geliebten ihrer Mutter Klytämnestra, heimtückisch erschlagen wurde, wartet Elektra auf die Stunde der Rache. Sie ist zusammen mit ihrer Schwester Chrysothemis im Königspalast von Mykene gefangen. Als ahnte sie ihr schreckliches Ende voraus, wird Klytämnestra von Angstträumen heimgesucht. Elektra hat für ihre Mutter aber nur Hohn und Spott übrig. Als plötzlich ihr längst tot geglaubter Bruder Orest auftaucht, ist für Elektra der ersehnte Augenblick gekommen. Sie bricht in einen verzückten Freudentaumel aus.

Richard Strauss wollte mit „Elektra“ das dämonische, ekstatische Griechentum des 6. Jahrhunderts der humanistischen Antike der deutschen Klassik gegenüberstellen. Hugo von Hofmannsthal hat mit seiner Neufassung der Tragödie des Sophokles den antiken Mythos stark psychologisiert, um das dramatische Geschehen ganz aus den seelischen Spannungen zwischen den Figuren zu entwickeln. So richtet Hofmannsthal, beeinflusst von Breuers und Freuds „Studien über Hysterie“ (1895), seine Aufmerksamkeit auf die Schilderung psychischer Extremzustände: die Traumatisierung durch den Königsmord, Elektras exzessiven Hass, Orests Racheobsession, Klytämnestras krankhafte Angstträume. So entstand in Zusammenarbeit mit Richard Strauss aus dem Geist der Moderne und des antiken Mythos eine psychologische Literaturoper, die am Beginn des 20. Jahrhunderts einen Kulminationspunkt in der Entwicklung des Musiktheaters nach Wagner bildet. Die erhitzte Übersteigerung der Vorgänge ins Rauschhafte spiegelt sich in der Expressivität einer Musik, die bis in die Grenzbereiche der Tonalität vordringt und von Strauss als „Nervenkontrapunktik“ bezeichnet wurde.