14. bis 21. Juni 2015

Der bekannte Hörbuch- und Synchronsprecher Christian Brückner lädt vom 14. bis 21. Juni 2015 unter dem Motto „Wie Sprache geht und wie Geschichten kommen“ zu einer Woche ein, in der die Grenzen zwischen den Künsten überschritten werden. Mit renommierten internationalen Gästen aus der Literatur, Musik, bildenden Kunst, dem Film und den Medien entspinnt Brückner in Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt einen Dialog, bei dem auch das Publikum immer wieder zu Wort kommen soll. Die Literaturtage werden in diesem Jahr vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Schwerpunktthemas „Transit“ gefördert.

Seit 1986 nehmen die Wiesbadener Literaturtage im deutschsprachigen Literaturgeschehen eine einzigartige Rolle ein, weil dem Programm jeweils ein renommierter Autor oder eine Autorin als Kurator und Gastgeber eine ganz persönliche Handschrift verleiht. In der Vergangenheit haben zu den Programmen Lesungen ebenso dazugehört wie Filme, Konzerte, Diskussionen oder Ausstellungen. Zu den früheren Gastgebern zählen so prominente Autoren wie Erich Fried, Cees Nootebom, Monika Maron oder Robert Gernhardt.

Zum Auftakt am 14. Juni um 11 Uhr eröffnet Christian Brückner im Wiesbadener Kunsthaus die Ausstellung von Collagen des Mainzer Schriftstellers Ror Wolf. Wie bildende Kunst als narratives Element das literarische Werk Ror Wolfs surreal kommentiert, erläutert in seiner Einführung Michael Lentz. Am Eröffnungsabend liest Christian Brückner im Kunsthaus, umgeben von Ror Wolfs Collagen und begleitetet von den Jazzmusikern Heinz Sauer und Michael Wollny, aus Wolfs literarischen Werken.

Ein weiterer Gast der Wiesbadener Literaturtage ist der ukrainische Autor Juri Andrucho­wytsch: Er stellt seinen Roman „Perversion“ vor und nimmt im Gespräch mit Hanne Kulessa Stellung zur politischen Lage in seiner Heimat. Ulrike Almut Sandig, eine der talentiertesten jungen Erzählerstimmen, beschreibt in poetischen Erzählungen rätselhafte Orte, die nur scheinbar verschwunden sind. Dass Geschichten auch ohne Worte erzählt werden können, zeigt der kanadische Jazzmusiker Jerry Granelli mit seiner Band UFB in einem Fusion- und Funk-Konzert. Dichter wie Joachim Ringelnatz oder Hugo Ball lässt Nicolai Thärichens Tentett musikalisch zu Gehör kommen. Der renommierte Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani fasst in einer Lesung die Verwirrung der Gefühle der ersten großen Liebe in Worte, außerdem gibt er einen Einblick in Essays, in denen er sich mit dem Verhältnis zwischen Orient und Okzident auseinandersetzt.

Wie schön es sein kann, Geschichten mit der ganzen Familie zu erleben, zeigt das von Ute Kleeberg produzierte Familienkonzert „Schmetterlingsküsschen“ für Kinder ab 6 Jahren. Die anrührende Erzählung über ein gehbehindertes Mädchen stammt von Ute Kleeberg und ist ein Geschenk von Maximiliane Beck. Ute Kleebergs Lesungskonzert mit Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Max Bruch, Gabriel Fauré, Fanny Mendelssohn-Hensel, Germaine Tailleferre und Arvo Pärt wurde 2008 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Es liest die bekannte Schauspielerin Eva Mattes, den musikalischen Part übernehmen Sonia Simard (Klavier), Jean-Eric Soucy (Bratsche) und Uwe Stoffel (Klarinette).

Zum Abschluss der Wiesbadener Literaturtage zeigt sich erneut die politische Dimension des geschriebenen Wortes, wenn sich der Publizist und Jurist Heribert Prantl bei einem politischen Frühschoppen mit der Autorin Jagoda Marinić unter anderem über die Frage austauscht, wie sich die individuellen Freiheits- und Grundrechte gegenüber der staatlichen Überwachung zur Abwehr von Terror wahren lassen.  

Weitere Informationen und das Programm der Wiesbadener Literaturtage unter: www.wiesbaden.de/literaturtage

Foto: Jörg Steinmetz