Wanderausstellung
7. September bis 12. Dezember 2009
Staatstheater und Staatsarchiv respektive der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule, Darmstadt


Ein bisher unerforschtes Kapitel deutscher Geschichte
Die erstmals 2006 in Hamburg gezeigte Wanderausstellung „Verstummte Stimmen“ widmet sich einem bisher kaum untersuchten und nie dargestellten Kapitel des Drittens Reiches: Der Vertreibung tausender jüdischer Komponisten, Dirigenten, Intendanten, Sängerinnen und Sänger aus den deutschen Opernhäusern. Diese gewaltsame, rassistisch motivierte Kulturpolitik bedeutete für die betroffenen Künstler/innen Berufsverbot, Exil oder Deportation.

  • Lilli Palmer, © Theatersammlung Darmstadt
    Lilli Palmer, © Theatersammlung Darmstadt
  • Gustav Hartung, © Theatersammlung Darmstadt
    Gustav Hartung, © Theatersammlung Darmstadt
  • Ausstellung im Hessischen Staatstheater Darmstadt, © Foto: Hannelore Anthes
    Ausstellung im Hessischen Staatstheater Darmstadt, © Foto: Hannelore Anthes

Die von dem Historiker Hannes Heer, dem Musikjournalisten Jürgen Kesting und dem Gestalter Peter Schmidt konzipierte und realisierte Wanderausstellung gliedert sich in einen überregionalen und einen regionalen Teil. Während der überregionale Teil das Schicksal von 44 prominenten Künstler/innen des Musik- und Sprechtheaters darstellt, die Opfer dieser rassistischen Machtpolitik der Nazis wurden, konzentriert sich der regionale Teil – der für jeden Ausstellungsort neu recherchiert wird – auf die vielen unbekannten Künstler, Theaterarbeiter und Angestellten hinter der Bühne, deren Karrieren im Dritten Reich gewaltsam unterbrochen oder für immer beendet wurden.

Mikrokosmos Hessisches Staatstheater Darmstadt
„Der Kampf um das Landestheater Darmstadt 1919–1937“
Für die Ausstellung in Darmstadt wurde das Hessische Staatstheater Darmstadt in die Nachforschungen der Ausstellungsmacher einbezogen. Das Staatstheater war mit insgesamt 2000 Plätzen nicht nur eines der größten deutschen Theater, sondern besaß als Stätte der Avantgarde auch einen überregionalen Ruf. Diesen verdankte es neben Theaterleitern wie Ernst Legal und Carl Ebert vor allem dem Regisseur und Intendanten Gustav Hartung. Dieser hatte den szenischen Expressionismus am Frankfurter Theater mitgeprägt und wirkte in Darmstadt von 1920 bis 1924 und von 1931 bis 1933. Er wurde 1931 nach der für die NSDAP erfolgreichen Reichstagswahl das erste Opfer ihrer Hetze. Hartung trat 1933 zurück und flüchtete in die Schweiz. Insgesamt wurden in Darmstadt mehr als 60 Ensemblemitglieder aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder politischen Einstellung vertrieben. Diese lokale Fallstudie wird bis zum 12. Dezember 2009 im Foyer des Staatstheaters ausgestellt.

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt das Ausstellungsprojekt in Darmstadt, da es ein wichtiges historisches und kulturpolitisches Thema von nationaler Bedeutung behandelt. Die Ausstellung ist in Darmstadt an zwei Orten zu sehen: Der überregionale Teil der Ausstellung wurde bis Ende Oktober im Staatsarchiv Darmstadt eingerichtet und zieht ab dem 1. November in die Heinrich-Emanuel-Merck Schule (Alsfelder Straße 23) Dort kann sie noch bis zum 12. Dezember besichtigt werden. Ergänzt und vertieft wird die Ausstellung durch ein umfangreiches künstlerisches und wissenschaftliches Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmen, Lesungen und Konzerten.