Forschungsprojekt und Ausstellung
27. Oktober 2011 bis 4. März 2012
Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, Frankfurt am Main


Der in Straßburg und Wien tätige Niederländer Niclaus Gerhaert von Leyden ist zweifellos einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler der Spätgotik. Das Liebieghaus widmet dem heute fast vergessenen, von den Zeitgenossen aber hoch gerühmten und verehrten Bildhauer des ausgehenden 15. Jahrhunderts eine umfassende Ausstellung. Das vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain geförderte, breit angelegte Ausstellungs- und Forschungsvorhaben trägt die Ergebnisse zum Werk Gerhaerts zusammen.

Niclaus Gerhaert wurde vor allem wegen der Lebendigkeit seiner Objekte, ihrer formalen Originalität und virtuosen Ausführung berühmt. Auch Kaiser Friedrich III. war zutiefst beeindruckt und stellte ihn in seine Dienste. Rund 60 eindrucksvolle Werke geben einen Überblick über das Œuvre Gerhaerts und seine Wirkung. Neben den gesicherten Arbeiten werden auch ihm zugeschriebene und in seinem Zusammenhang diskutierte Figuren in Stein und Holz präsentiert. Überdies belegen ausgewählte Beispiele erstklassiger Skulpturen aus dem Umkreis und der Nachfolge Niclaus Gerhaerts seine nachhaltig prägende Wirkung auf spätere Generationen.

  • Niclaus Gerhaert von Leyden „Hl. Georg“, 1462, Nördlingen, ev. Pfarrkirche St. Georg, © Foto: Rühl & Bormann, Liebieghaus Skulpturensammlung
    Niclaus Gerhaert von Leyden „Hl. Georg“, 1462, Nördlingen, ev. Pfarrkirche St. Georg, © Foto: Rühl & Bormann, Liebieghaus Skulpturensammlung
  • Niclaus Gerhaert von Leyden „Kopf eines Propheten, sog. Jakob von Lichtenberg“, 1463/1464, Musée de l‘Oeuvre Notre-Dame, Straßburg, Foto: M. Bertola, © Musée de l'Oeuvre Notre-Dame, Strasbourg
    Niclaus Gerhaert von Leyden „Kopf eines Propheten, sog. Jakob von Lichtenberg“, 1463/1464, Musée de l‘Oeuvre Notre-Dame, Straßburg, Foto: M. Bertola, © Musée de l'Oeuvre Notre-Dame, Strasbourg
  • Niclaus Gerhaert von Leyden, „Kopf einer Sibylle, sog. Bärbel von Ottenheim“, 1463/64, © Foto: Rühl & Bormann, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main
    Niclaus Gerhaert von Leyden, „Kopf einer Sibylle, sog. Bärbel von Ottenheim“, 1463/64, © Foto: Rühl & Bormann, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main
  • Niclaus Gerhaert von Leyden „Heilige Maria Magdalena“, 1462, Nördlingen, ev. Pfarrkirche St. Georg, © Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung
    Niclaus Gerhaert von Leyden „Heilige Maria Magdalena“, 1462, Nördlingen, ev. Pfarrkirche St. Georg, © Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung
  • Foto: Wolfgang Günzel
    Foto: Wolfgang Günzel

Als spektakulär dürfte die Wiedervereinigung zweier Büsten gelten, die Niclaus Gerhaert 1463 als Portalschmuck für die zerstörte Alte Kanzlei in Straßburg schuf. Die sogenannte Bärbel von Ottenheim, eines der Hauptstücke der Mittelaltersammlung des Liebieghauses, ist ein aus rotem Sandstein gemeißelter Kopf einer Sibylle, einer antiken Seherin, von deren Büste nur das Frankfurter Fragment erhalten blieb. Deren Pendant, ein bärtiger Prophet, von dem ebenfalls nur noch der Kopf existiert, befindet sich im Musée de l’Œuvre Notre-Dame in Straßburg. Erstmals seit ihrer Trennung im 19. Jahrhundert werden diese beiden grandiosen Köpfe wieder zusammen zu sehen sein.

Bedeutende internationale Museen wie das Metropolitan Museum of Art in New York, das Art Institute in Chicago, das Rijksmuseum in Amsterdam, das Kunsthistorische Museum in Wien oder das Musée de l’Œuvre Notre-Dame in Straßburg unterstützen die Ausstellung durch hochkarätige Leihgaben.