22. März bis 28. Juli 2013
Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, Wiesbaden


Die Rheinromantik gehört zu den zentralen Themen der deutschen Kunst- und Literaturgeschichte. Bereits der Rhein selbst, der seit seinem Eintritt in die Geschichte als Grenzfluss zwischen Rom und Germanien zu einem mythenbeladenen Naturmotiv wurde, war durch die Jahrhunderte ein eingängiger Topos der deutschen Kulturgeschichte, der im ideologiebeladenen Begriff des „Vater Rhein“ im 19. Jahrhundert gipfelte.

  • Joseph Mallord William Turner, „Der Loreley-Felsen“, 1817, © Leeds Museums and Galleries
    Joseph Mallord William Turner, „Der Loreley-Felsen“, 1817, © Leeds Museums and Galleries
  • Christian Georg Schütz d. Ä., „Ansicht von Eltville“, 1774, © Museum Wiesbaden
    Christian Georg Schütz d. Ä., „Ansicht von Eltville“, 1774, © Museum Wiesbaden

Die mit über 250 Objekten großformatig angelegte Ausstellung entsteht auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Projekts Impuls Romantik und beleuchtet das Thema aus den Perspektiven der Kunst, der Naturwissenschaft, der Literatur und der Kulturgeschichte. Sie widmet sich der Rheinromantik in einer noch nie dagewesenen Form und Breite: Zum ersten Male werden Natur und Kunst unter dem der Begriff der Rheinromantik konsequent zusammen gesehen und präsentiert. Die Sammlungsgeschichte des Museum Wiesbaden ist aufs engste verwoben mit einer der zentralen Figuren der Rheinromantik, Johann Isaak von Gerning (1767–1837).

Ausgangspunkt der Ausstellung „Rheinromantik“ sind daher Exponate, die zum Kernbestand der Gerningschen Sammlung des Museums gehören. Anhand von naturwissenschaftlichen Objekten als auch von Gemälden und Aquarellen, etwa der Malerfamilie Schütz, soll der Nukleus der romantischen Bewegung – die intensive Auseinandersetzung mit der Natur – dokumentiert und hinterfragt werden. Dazu zählt auch Gernings dichterisches Werk, dessen schwärmerische Naturbegeisterung die Haltung der Romantik zur Natur, insbesondere zum Rheinland mit seinen zahlreichen Flusstälern spiegelt. Gerning, in dessen Person Gelehrter, Dichter und Sammler vereint sind, steht exemplarisch für die Epoche um 1800, die als kulturelle Blütezeit der Rheinregion eng mit dem heutigen Begriff der Rheinromantik verbunden ist. Für ihn bildete den Ausgangspunkt die landschaftliche Beschaffenheit des Rheinverlaufs, dessen Schönheit poetisch besungen, dessen Naturobjekte gesammelt und mit dessen künstlerischen Umsetzungen gelebt wurde. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die universale Betrachtung von Natur und Kunst als sich ergänzende und befruchtende Themenbereiche der Rheinromantik aufzuzeigen.

Zum ersten Mal werden Werke der Kunst, wie von Hermann Saftleven, den man als den Erfinder der Rheinmalerei im 17. Jahrhundert bezeichnen darf und der Malerfamilie Schütz, die konsequent künstlerisch auf diesem Erbe aufbauten bis hin zu den brillanten Werken eines J. M. W. Turner mit Naturobjekten der Geologie, Mineralogie, Botanik und Zoologie vereint.