9. März 2014, 17.00 Uhr
darmstadtium, Darmstadt


Im Berlin des frühen 19. Jahrhunderts gehörte der Politiker, Kunstmäzen, Cellovirtuose und Komponist Anton Fürst Radziwill (1775 – 1833) zu den zentralen Figuren der romantischen Zirkel. Nach seiner Heirat mit Luise von Preußen empfing der polnische Aristokrat gemeinsam mit seiner Frau Künstler und Gelehrte in ihrem Salon.

  • Joseph Karl Stieler, „Johann Wolfgang von Goethe“, um 1828
    Joseph Karl Stieler, „Johann Wolfgang von Goethe“, um 1828
  • Das Palais Radziwill in Berlin um 1830. Hier fanden die ersten (Teil-)Aufführungen der „Compositionen“ statt. Vermutlich von Hans Finke nach Gustav Schwartz, aus: „Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert…“, von S. H. Spiker, erschienen bei
    Das Palais Radziwill in Berlin um 1830. Hier fanden die ersten (Teil-)Aufführungen der „Compositionen“ statt. Vermutlich von Hans Finke nach Gustav Schwartz, aus: „Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert…“, von S. H. Spiker, erschienen bei
  • „Fürst Anton von Radziwill, der Componist der Zunft“, um etwa 1830, © Landesarchiv Berlin
    „Fürst Anton von Radziwill, der Componist der Zunft“, um etwa 1830, © Landesarchiv Berlin

Von 1810 bis etwa 1830 schrieb er die „Compositionen zu Göthe’s Faust“ für ein groß besetztes Orchester, Gesangssolisten, Sprecher und Chor. Dabei stand Radziwill in engem Kontakt zu Goethe, der das zwischen Oper, Oratorium und Schauspielmusik oszillierende Werk ausnehmend lobte. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen „Faust“-Bearbeitungen hatte Radziwill auf die Originaltexte des Dichters zurück­gegriffen. Mehrere halbprivate Teilvorführungen zählten zu den kulturellen Höhe­punkten Berlins und trugen zur späteren Verbreitung von Goethes „Faust“ entscheidend bei.

Das Stück wurde bis etwa 1870 auf deutschen Bühnen oft gespielt, meist in gekürzter Form. Dann geriet es in Vergessenheit. Der renommierte Konzertchor Darmstadt präsentiert nun die szenische Wiederaufführung der ungekürzten frühromantischen Komposition und schafft damit die Möglichkeit, den einst von Goethe hoch geschätzten Komponisten aufs Neue zu entdecken.