seit 2009
Jahrhunderthalle, Frankfurt LAB, Frankfurt am Main


Die vom Künstlerhaus Mousonturm angeregte „Tanzoffensive Frankfurt Rhein-Main“ setzt seit 2009 durch jährlich drei bis sechs Gastspiele internationaler Tanzproduktionen von außergewöhnlicher Bedeutung Maßstäbe.

  • Akram Khan „Vertical Road“, © Foto: Richard Haughton
    Akram Khan „Vertical Road“, © Foto: Richard Haughton
  • Ushio Amagatsu „TOBARI“, © Foto: Sankai Juku
    Ushio Amagatsu „TOBARI“, © Foto: Sankai Juku

bODY_rEMIX/gOLDBERG_vARIATIONS . Internationale Gastspiele Companie Marie Chouinard (CAN)
26. November 2009
Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main

Zeigen, was wichtig ist! Mit diesem Motto und Appell präsentiert der Mousonturm im Rahmen der von ihm initiierten Tanzoffensive Frankfurt Rhein/Main internationale Gastspiele von großen Choreografen und renommierten Kompanien, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht werden.

Zu den elektronisch stark manipulierten Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach in der Interpretation von Glenn Gould erkunden elf TänzerInnen mit Krücken, Gehwagen, Spitzenschuhen, Barren und Seilen einen spektakulären Bewegungskosmos. Spielerisch und ebenso erfinderisch gelingt ihnen in berührenden Soli, Duos und Trios sowie im Ensemble eine virtuose Meditation über die Schönheit und Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und sein unermüdliches Streben, die ihm eigenen Beschränkungen zu überwinden.

Marie Chouinard wird weltweit als eine der großen Choreografinnen des zeitgenössischen Tanzes gefeiert. Ihre Arbeit steht für Eigenart und Extravaganz, für technische Virtuosität und für völlig neuartige Bewegungsabläufe. Marie Chouinard wurde in Québec, Kanada, geboren. Ihre erste Solochoreografie „Cristallisation“ schuf sie im Alter von 23 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Robert Racine. Sie lebte in New York, Berlin, Bali, Nepal, gastierte in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten und erhielt zahlreiche Preise. 1990 gründete sie die „Compagnie Marie Chouinard“. Die in der Folge entstandenen Choreografien zeigen Tanz in hoher technischer Virtuosität und völlig neuartige Bewegungsabläufe. Marie Chouinard und ihre Compagnie arbeiten zusammen an der Kreation von choreografischen Stücken, die eine Welt voller Symbolik und Kraft enthüllen.

Internationale Gastspiele Batsheva Dance Company (IL)
1. Dezember 2009
Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main

Zeigen, was wichtig ist! Mit diesem Motto und Appell präsentiert der Mousonturm im Rahmen der von ihm initiierten Tanzoffensive Frankfurt Rhein/Main internationale Gastspiele von großen Choreografen und renommierten Kompanien, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht werden.

MAX, die jüngste Kreation von Ohad Naharin, dem Leiter der weltbekannten israelischen Batsheva Dance Company, ist ein „getanztes Menetekel“. Fünf Frauen und fünf Männer durchlaufen einen formal strengen Bewegungskanon, bei dem Fragen nach Gemeinschaft und Individuum gestellt werden. Der Abstraktion des Tanzes werden verschiedene Szenen gegenüber gestellt, die in Soli, Duetten und Gruppenformationen zur Erzählung werden und Themen behandeln wie Einsamkeit, Glück und Schmerz des Einzelnen sowie das Wesen der Gemeinschaft. Zu den knisternden Geräuschen eines schwelenden Feuers schreiben die Interpreten unheimliche Muster in den Raum, immer an der Grenze des anatomisch Machbaren und in einzigartiger Präzision.

Ohad Naharin, der bei den Stil-Ikonen Martha Graham und Maurice Béjart studierte, leitet seit zwanzig Jahren die renommierte Batsheva Dance Company. Seither kreierte er zahlreiche abendfüllende Stücke, die durch eine radikale Körperlichkeit und klare Formensprache zu Klassikern im zeitgenössischen Tanz wurden. Er machte das Ensemble zu einem künstlerischen Aushängeschild Israels. Naharin erhielt zahlreiche begehrte Preise wie den New York Bessie Award, seine Stücke werden von Kompanien wie dem Nederlands Dans Theatre oder dem Ballett Frankfurt neu einstudiert.

Sidi Larbi Cherkaoui . Anton Gormley . Szymon Brzoska with Monks from the Shaolin Temple (UK . CN) . Sutra
7. Mai 2010
Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main

„Wer die siebzehn Shaolin-Mönche aus Henan in China gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell.” (Arnd Wesemann, ballettanz, 2009)

Sidi Larbi Cherkaoui – flämisch-marokkanischer Herkunft – ist mit gerade 33 Jahren einer der begehrtesten und weltweit erfolgreichsten Choreografen des zeitgenössischen Tanzes: 2008 wird er in der alljährlichen Kritiker-Umfrage des Fachmagazins ballettanz international zum Choreograf des Jahres gewählt. Nur konsequent erscheint es da, dass die befragten Kritiker ein Jahr darauf seine Arbeit „Sutra” auch zur Aufführung des Jahres küren. Und noch im gleichen Jahr wird Cherkaoui der KAIROS-Euopäischer Kulturpreis der Alfred Toepfer Stiftung verliehen.

Für seine Choreografie „Sutra” ließ sich Sidi Larbi Cherkaoui von der Kraft, Schönheit und Präzision der Shaolin-Kung Fu Kampfkunst inspirieren. Zurückgezogen in die chinesische Provinz Henan, dem Ort des Shaolin-Klosters, hatte Cherkaoui die Bewegungstechnik der Shaolinmönche, den berühmten Meistern der Kampfkunst, genau studiert. Zusammen mit 17 Shaolinmönchen entwickelte er schließlich ein verblüffendes und faszinierendes Tanzstück, das zum spirituellen Kern dieser Kampfkunst vordringt. Der englische Bildhauer und Turner-Preisträger Antony Gormley kreierte für die Darsteller eine beeindruckende Bühnenlandschaft, die mit Lichteffekten dramatisch in Szene gesetzt wird. Der junge polnische Komponist Szymon Brzóska transformiert die Anmut der Bewegungen in eine Partitur für Klavier, Streicher und Schlagzeug.

Cherkaoui gelingt mit SUTRA ein Dialog zwischen Tanz und Kung-Fu Akrobatik – eine mitreißende Begegnung unterschiedlicher Kulturen.

Einen kurzen Eindruck erhalten Sie hier:
www.youtube.com

ROSAS / Anne Teresa De Keersmaeker (BE) . ROSAS danst ROSAS
14. und 15. Mai 2010
FrankfurtLAB, Schmidstraße 12, Frankfurt am Main

Vier Frauen stehen mit dem Rücken zum Publikum. Abrupt lassen sie sich fallen und beginnen einen wilden, virtuosen Tanz zwischen Struktur und Emotion, Aggression und Zärtlichkeit, Uniformität und Individualität.

Vor 27 Jahren kreierte die flämische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker ROSAS danst ROSAS als das Gründungsstück ihr Gruppe ROSAS. Damit setzte sie nicht nur einen Markstein für ihre Arbeiten, sondern wurde maßgebend für die gesamte europäische Tanzszene. Noch heute ist das Stück ROSAS danst ROSAS stilistisches Vorbild vieler Tanzformationen.

ROSAS danst ROSAS, ist der Klassiker des zeitgenössischen Tanzes aus den 1980er Jahren. Jetzt ist er endlich wieder zu sehen.

1983 wurde ROSAS von Anne Teresa De Keersmaeker gegründet. Heute gehört sie zu den weltweit bekanntesten zeitgenössischen Tanzensembles.

Festival Cutting Edge Move 2011 . Akram Khan UK, Vertical Road
Original Score by Nitin Sawhney
16. und 17. Mai 2011
Frankfurt LAB, Schmidtstraße 12, Frankfurt am Main

Akram Khan ist ein Grenzgänger zwischen den Kulturen und Genres und einer der anerkanntesten Choreografen seiner Generation. Für seine neueste Tanzkreation Vertical Road bringt er außergewöhnliche Tänzer und Performer aus Asien, Europa und dem Nahen Osten zusammen und erforscht mit ihnen das universelle Motiv der Himmelfahrt, eines Übergangs vom Irdischen zu spiritueller Transzendenz. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Tänzer fließen in das Stück ein und lassen die Inszenierung zu einem visuell inspirierenden und künstlerisch herausragenden Erlebnis werden. Die Musik dazu schrieb der bekannte indisch-britische Songwriter, DJ, Multi-Instrumentalist und Komponist Nitin Sawhney, mit dem Akram Khan eine langjährige Zusammenarbeit verbindet.

Choreografie: Akram Khan
Musik: Nitin Sawhney
Licht: Jesper Kongshaug
Dramaturgie: Ruth Little
Research: Jess Gormley
Produzent: Farooq Chaudhry
Tanz: Salah Al Progy (Ägypten), Ahmed Belabbas Khemis (Algerien), Eulalia Ayguade Farro (Spanien), Li Qian (China), Andrej Petrovic (Slowakei), Young-Jin Kim (Korea), Paul Zivkovich (Australien), Konstatina Efthymiadou (Griechenland)

Festival Cutting Edge Move 2011 . SANKAI JUKU, TOBARI As if in an inexhaustible flux
24. und 25. Mai 2011
Frankfurt LAB, Schmidtstraße 12, Frankfurt am Main

Frei fließende Bewegungen, die auf der Vorstellungskraft und Improvisation der Tänzer beruhen und von verschiedenen Tanz- und Ausdrucksformen – unter anderem dem Ausdruckstanz der 20er Jahre – beeinflusst sind, zeichnen die hohe Kunst des Butoh-Tanzes aus. Die Tänzer schaffen darin Bilder, die von meditativer Zartheit bis hin zu exzessivem Ausdruck reichen. Ushio Amagatsu, unter dessen Leitung 1975 die renommierte japanische Kompanie Sankai Juku gegründet wurde, gehört zur zweiten Generation von Butoh-Tänzern. Für „TOBARI“ kreierte er sieben ineinander übergehende szenische Tableaux von klarer Schönheit, in denen acht Tänzer die großen Themen Geburt, Tod und Wiederkehr im Bilde einer kosmischen Seelenwanderung zelebrieren und den Zuschauer in einem magischen Fluss von Raum und Zeit bannen.

Choreografie, Konzept, Leitung: Ushio Amagatsu
Musik: Takashi Kako, Yas-Kas, Yochiro Yoshikawa
Tänzer: Ushio Amagatsu, Semimaru, Sho Takeuchi, Sho Takeuchi, Akihito Ichihara, Ichiro Hasegawa, Dai Matsuoka, Nobuyoshi Asai, Norihito Ishii

Nederlands Dans Theater II NL
20. April 2011
Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main

Die Reihe Tanzoffensive des Künstlerhauses Mousonturm wird mit drei Choreografien und den grandiosen jungen Tänzerinnen und Tänzern des Nederlands Dans Theater fortgesetzt: Zur Komposition Dirk Haubrichs nach Motiven aus Gustav Mahlers 10. Sinfonie beginnt der Abend mit Jiří Kyliáns mystisch erotischem Stück „27’52“, einem Stück für drei Paare. Von ihm stammt auch „Gods and Dogs“, eine Reflexion über Normalität und Wahnsinn, für die acht Tänzerinnen und Tänzer in äußerster Perfektion Bilder von Ohnmacht und Verletzlichkeit kreieren.

Der junge Alexander Ekman setzt sich in seiner Choreografie „Cacti“ feinsinnig und mit ansteckendem Humor über die ästhetische Strenge hinweg, die in vielen Tanzstücken der 80er und 90er Jahre vorherrschte und verwandelt sie in ein dynamisches und mitreißendes Tanzerlebnis (2010 nominiert für den niederländischen Zwaan Award).

Choreografien:
27’52 – Jiri Kylian
Gods and Dogs – Jiri Kylian
Cacti – Alexander Ekman