Kultur spielt eine entscheidende Rolle für die Attraktivität der Städte und Kreise in der Region Frankfurt RheinMain - und gerade die öffentliche Hand sollte sich in dem Bereich noch stärker engagieren, so das Ergebnis des heute vorgestellten „Kulturbarometers 2019“. 80 Prozent der Befragten sehen den Staat, also Bund, Land, Städte und Landkreise, in der Verantwortung, Kunst und Kultur stärker zu fördern. Im ersten Kulturbarometer 2012 lag dieser Wert noch bei 72 Prozent. Bereits zum vierten Mal hatte der Fonds das „Kulturbarometer“ in Auftrag gegeben, so dass langfristige Trends in Einstellungen und Verhalten der Bürger nun sichtbar werden. „Die Kulturförderung ist für die Bürgerinnen und Bürger der Region Frankfurt RheinMain eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Hand. Wir sehen, dass der Wunsch nach einer engagierten Kulturförderung in der Bevölkerung stärker wird“, so Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, bei der heutigen Vorstellung des „Kulturbarometers 2019“. Insgesamt zeigen sich die Befragten mit dem Kulturangebot in der Region außerordentlich zufrieden, 79 Prozent bewerten es als gerade richtig, jedoch ist die Zahl derer, die das Angebot als unzureichend empfinden, mit 11 Prozent ebenfalls leicht gestiegen (+ 3 %-Punkte).

Befragt wurden durch das Meinungsforschungsinstitut dimap Menschen aus den Städten Frankfurt am Main, Darmstadt, Wiesbaden, Hanau sowie aus dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis, die – neben dem Land Hessen – dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain als Gesellschafter angehören. Zudem wurden auch Bürgerinnen und Bürger der Kooperationspartner des Kulturfonds und ausgewählter Nichtmitglieder befragt. Besonders erfreulich: Die Zustimmung zur gemeinsamen Kulturförderung im Rahmen des Kulturfonds ist während der vergangenen Jahre deutlich gestiegen. Die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger der Städte und Kreise, die auch Gesellschafter des Kulturfonds sind, sieht diese Zusammenarbeit als sehr wünschenswert an (50 %), weitere 39 Prozent als wünschenswert. Müller freut sich auch über die sehr hohe Zustimmung zur Arbeit des Kulturfonds: „Für uns ist die enorme Zufriedenheit mit der gemeinsamen Kulturförderung der Städte und Kreise in erster Linie das Signal, das wir den richtigen Weg bestreiten: Eine engagierte und dauerhafte Zusammenarbeit in der Region, um vielfältige Kulturprojekte zu initiieren und verwirklichen.“

Kulturangebot als Attraktivitätsmerkmal für Führungs- und Nachwuchskräfte
Die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger (81 %) sieht das Kulturangebot als ein entscheidendes Kriterium für Menschen, die überlegen, einen Arbeitsplatz in der Region Frankfurt RheinMain anzunehmen. „Im internationalen Wettbewerb um Führungs- und Nachwuchskräfte wird ein reiches und vielfältiges Kulturleben ein immer wichtigerer Standortfaktor. Frankfurt RheinMain hat ein sehr gutes Angebot klassischer und zeitgenössischer Kulturinstitutionen, das auch international einen exzellenten Ruf genießt“, erklärt Müller. „Dennoch ist es unsere gemeinschaftliche Aufgabe, das Kulturangebot noch stärker in den Vordergrund zu rücken und auch einem internationalen Publikum zugänglich zu machen.“

Nutzung kultureller Angebote: Lesen, Konzerte und Kino besonders beliebt
Lesen ist weiterhin unangefochten auf Platz 1 bei der persönlichen Nutzung kultureller Angebote. 87 Prozent geben an, Bücher zu lesen. Ein Anstieg im Vergleich zu 2015 ist beim Besuch von Konzerten (+ 4 %) und Kinos (+ 2 %) zu vermerken (jeweils 73 %). Doch auch Ausstellungen (69 %) sowie Radio und Fernsehen (68 %) erfreuen sich einer hohen Nutzung unter den Befragten. Insgesamt zeigen sich jedoch erhebliche soziodemographische Unterschiede bei den Präferenzen. Je höher das Alter, das Bildungsniveau und das Einkommen, desto eher nutzen die Befragten kulturelle Angebote. Für Müller wird hierdurch deutlich: „Wenn Kultur für alle zugänglich sein soll, dann müssen wir bei der kulturellen Bildung ansetzen – und Kindern und Jugendlichen möglichst früh den Schlüssel dazu in die Hand geben.“ Bei der Frage nach dem Kultur-Erleben über Radio und Fernsehen zeigt sich zudem eine Generationenkluft: Je älter die Befragten, desto häufiger wird dies bejaht (65-Jährige und Ältere: 85 %, 18- bis 24-Jährige: 39 %). Genau umgekehrt verhält es sich beim Kultur-Erleben über das Internet, beispielsweise über soziale Medien wie YouTube: Mehr als zwei Drittel – 67 Prozent – der jungen Erwachsenen bejahen das für sich – im Vergleich zu 16 Prozent der ältesten Befragtengruppe.

Bei der Frage, wie viel Zeit die Bürgerinnen und Bürger akzeptieren, um das Kulturangebot zu erreichen, zeichnet sich ein differenziertes Bild ab: Für Konzerte nehmen die Menschen in der Region die weiteste Anreise in Kauf: Im Durchschnitt sind sie bereit, 81 Minuten zu investieren, um zum Veranstaltungsort zu gelangen. Für eine Ausstellung sind die Befragten bereit, knapp eine Stunde Zeit für die Anreise auf sich zu nehmen (62 Minuten), ähnlich sieht es mit eigenen künstlerischen Betätigungen aus (59 Minuten). Anders verhält es sich beim Besuch eines Kinofilms: „Nur“ 35 Minuten wollen die Menschen für die Anfahrt durchschnittlich einplanen.

Internet, Tageszeitungen und persönliche Empfehlungen als primäre Informationsquellen
Das Kulturverständnis der Bürgerinnen und Bürger schließt vor allem traditionelle Kulturangebote ein: Theater und klassische Konzerte verstehen fast 90 Prozent der Befragten als Kultur, Ausstellungen und Bücher folgen auf Platz zwei und drei. Mehrheitlich werden aber auch Kino, Film und Fotografie (65 %), Pop- und Rockveranstaltungen (58 %) sowie eigene künstlerische Betätigungen (48 %) mit dem Kulturbegriff assoziiert. Fernsehen und Internet hingegen bringen nur rund ein Viertel der Befragten mit dem Wort „Kultur“ in Zusammenhang.

Ob Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen – wer sich über Programme und Veranstaltungen informieren mag, sucht vor allem im Internet. Ob jung oder alt - das Internet ist für alle eine zentrale Anlaufstelle. Doch auch Tageszeitungen und persönliche Empfehlungen sind für die Menschen in der Region Frankfurt RheinMain eine wichtige Bezugsquelle. Das kulturelle Zentrum ist für einen Großteil die Stadt Frankfurt a. Main – gerade für Konzerte und Ausstellungen besuchen sie die Metropole. Und die Theater in Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt erfreuen sich besonderer Beliebtheit.

Mithilfe computergestützter Telefoninterviews hatte dimap zwischen dem 22. März und dem 13. April 2019 2.004 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren der Städte Frankfurt a.M., Darmstadt, Hanau, Wiesbaden, Bad Vilbel und Offenbach sowie dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis, dem Landkreis Offenbach, dem Kreis Darmstadt-Dieburg und sieben Kommunen des Rheingaus rund um ihr Kulturverständnis und das kulturelle Angebot in der Region Frankfurt-Rhein-Main befragt. Die Untersuchung war zuvor bereits in den Jahren 2015, 2013 und 2012 durchgeführt worden.

Kulturbarometer 2019