Künstlerische Vielfalt kleiner und großer Projekte widmet sich unter anderem dem derzeitigen Themenschwerpunkt „Transit“

Der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat die Förderung von zwölf Kunst- und Kulturprojekten in der kommenden Saison bewilligt. Die Projekte werden mit Geldern in Höhe von insgesamt 1,38 Mio. Euro unterstützt. „Es liegt uns besonders am Herzen, Projekte unterschiedlichster Kunst- und Kulturrichtungen in unsere Förderung einzubeziehen. Dadurch soll die künstlerische Vielfalt in der Rhein-Main-Region weiter gestärkt und ausgebaut werden. Über Fotografie, Tanz, bildende Kunst, Musik und vieles mehr stellen die Projekte der aktuellen Förderrunde einen wichtigen Bezug zu Themen her, die die Bürger heute bewegen“, so Staatssekretär Ingmar Jung, Vorsitzender des Kulturausschusses.

Noch bis 2018 liegt der Schwerpunkt dabei auf dem Thema „Transit“, einem Begriff, der eng mit der Rhein-Main-Region verknüpft ist und sich vor allem gesellschaftlichen Themen widmet. Neuinszenierungen bekannter Klassiker, moderne Fotografie und szenische Aufarbeitungen laden die Besucher ein, sich mit der künstlerischen Aufnahme von Umbrüchen auseinanderzusetzen. Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, zog im Anschluss an die Kulturausschusssitzung ein positives Resümee: „Die geförderten Projekte werden das kulturelle Angebot der Rhein-Main-Region bereichern, in ihrer thematischen wie künstlerischen Vielfalt werden sie in den kommenden Monaten für viele Highlights sorgen. Wir dürfen uns auf die Umsetzung der kleinen und großen Projekte freuen!“

Schwerpunktthema „Transit“ verweist auf gesellschaftlichen Wandel und Übergang

Mit der Förderung von Projekten zum Thema „Transit“ macht der Kulturfonds auf den Wandel, den Wechsel und den Übergang aufmerksam, in dem sich unsere Gesellschaft befindet. Zwei Projekte beschäftigen sich mit Phänomenen des Durchgangs, des Übergangs und des Nicht-Verankert-Seins.

Die Alte Oper Frankfurt setzt sich unter dem Titel Fremd bin ich mit Franz Schuberts „Winterreise“ im Rahmen des Musikfest 2017 mit der Erfahrung des Abgetrenntseins von der Gesellschaft auseinander und blickt damit auch auf die Erfahrungen derjenigen, die selbst in „Transitzonen“ unterwegs sind, wie es derzeit bei zahllosen Menschen auf der Flucht nach Europa der Fall ist.

Die Hochschule für Gestaltung Offenbach erhält eine Förderung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain für die Leitausstellung des Parcours der B3 Biennale des bewegten Bildes 2017, die zum Thema „On Desire“ international renommierte Künstler versammelt und einen weitreichenden Blick auf die Auseinandersetzung des Bewegtbilds mit der heutigen Zeit und den Begierden, die das Denken und Handeln der Menschen determinieren, wirft. Außerdem werden im Rahmen des B3 Parcours im sogenannten „kleinen Verfahren“ vier zusätzliche Projekte mit einer Summe von 104.000 Euro gefördert.

„Frankfurt Rhein-Main als Transformator der Moderne in Europa“ überzeugt mit thematischer und künstlerischer Vielfalt

Zusätzlich zum Schwerpunktthema „Transit“ fördert der Kulturfonds fünf Projekte rund um das Thema „Frankfurt Rhein-Main als Transformator der Moderne in Europa“.

Die 49. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt 2018 setzen den konzertierten Auftakt zu dem Projekt „Defragmentation“, bei dem in einer groß angelegten Recherche die Konsequenzen gesellschaftspolitischer Diskurse um Dekolonialisierung, Gender & Diversity und Technologie auf künstlerisch-musikalischem Gebiet untersucht werden. Zu diesem Projekt hat das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD) eingeladen und es gemeinsam mit drei weiteren Festivals und der Kulturstiftung des Bundes konzipiert.

Das Projekt Frankfurt Pieces des Frankfurter LAB lädt den Choreographen Emanuel Gat und sein Ensemble zu einer Residenz ein, um mit Musikerinnen und Musikern des Ensemble Modern sowie Produzenten und Dramaturgen des Künstlerhauses Mousonturm zu arbeiten. Thematischer Ankerpunkt ist die individuelle Erkundung des Zusammenspiels von Musik und Tanz sowie die Frage nach dem Verhältnis von Klang und Choreografie. Aufgeführt wird das Werk im Frankfurt LAB sowie bei der Ruhrtriennale, in Paris und in Montpellier.

Zur Frage der Anpassung unter äußerem Druck plant die Oper Frankfurt die Realisierung der Uraufführung von Arnulf Herrmanns Der Mieter. Wie weit ist man bereit zu gehen? Was ist das Eigene? Was ist das Fremde? Dies und mehr verhandelt die Oper, die auf Motiven des Romans „Le locataire chimérique“ von Roland Topor basiert. Er wurde einem breiten Publikum durch die Verfilmung von Roman Polanski bekannt.

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt räumt in ihrer Ausstellung PEACE mit gängigen Annäherungen zum Thema Frieden auf und stellt die Frage „Wie funktioniert Frieden eigentlich?“ Thematisiert werden vermeintliche Randaspekte, die eine Annäherung an Frieden in Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen und allen anderen Lebewesen verdeutlichen. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen, interdisziplinären Veranstaltungsprogramm begleitet, das das inhaltliche Spektrum von PEACE erweitert.

Vom 20. bis 22. April 2018 finden die 10. Darmstädter Tage der Fotografie statt, die sich auf unterschiedliche künstlerische Ansätze und vielfältige Entwicklungsimpulse konzentrieren. Das Festival bietet ein Wochenende mit Ausstellungen, einem Fachsymposium und einer Preisverleihung und beleuchtet dabei die Rolle der Fotografie in der Zeit- und Mediengeschichte. Ein umfangreiches Bildungsprogramm rundet die Tage ab.

„Wissenschaft und Bildung“ legt Fokus auf Epochenkunde und Kunstgeschichte

In der Kategorie „Wissenschaft und Bildung“ fördert der Kulturfonds fünf Projekte, die die historischen Kontexte von Kunst beleuchten und damit umfangreiches Wissen zu den verschiedenen Epochen und ihren Besonderheiten vermitteln.

Das Historische Museum Frankfurt widmet sich in seiner großen Ausstellung 1918/1919 Frauen in die Politik! jenen Frauen, die zur Entstehung der Weimarer Republik und zur Einführung des Frauenwahlrechts 1918/1919 in Deutschland beigetragen haben. Im Fokus steht vor allem die internationale Vernetzung von Frauen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Präsentiert werden hochkarätige Exponate weltbekannter Museen, Bezüge zu aktuellen Diskussionen rund um das Thema „Demokratie“ inklusive.

Anlässlich des 300. Todestages der Frankfurter Malerin, Kupferstecherin und Forscherin Maria Sibylla Merian zeigt das Städel Museum in der Ausstellung Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes Zeichnungen und Druckgrafiken vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Neben Merians Werken, die einen besonderen Einblick in diese Tradition ermöglichen, wird das zweibändige Florilegium von Johann Walter dem Älteren aus dem 17. Jahrhundert ein besonderes Highlight sein.

Die Sonderausstellung Gold und Wein – Georgiens älteste Schätze des Archäologischen Museums Frankfurt beschäftigt sich im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2018, deren Ehrengast Georgien sein wird, mit der Jungsteinzeit und Bronzezeit Georgiens. Kooperationspartner sind dabei das Georgische Nationalmuseum Tiflis und die Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts Berlin. Die Ausstellung wird ein umfassendes Bild der frühen kulturellen Entwicklungen Georgiens ab 6000 v. Chr. bis 1700 v. Chr. mit vielen neuen Facetten zeichnen.

Anlässlich der abgeschlossenen Restaurierung des Schächer-Fragments des „Meisters von Flémalle“ präsentiert die Liebieghaus Skulpturensammlung das kostbare Werk der Öffentlichkeit unter dem Titel Im neuen Glanz: Das Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle im Kontext. Neben der Vorstellung der spektakulären Ergebnisse der technologi­schen Untersuchung und Restaurierung setzen ausgewählte Vergleichsstücke der Malerei, Zeichnung und Skulptur das Werk auf vielfältige Weise in seinen Kontext.

Das Projekt Umbrüche – Dokumentation und Deutung der Deutschbaltischen Studienstiftung beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und privaten Umbrüchen und deren Aufnahme in Kunst und Kultur. Der besondere Aspekt des Projektes liegt hierbei im Brückenschlag zwischen der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main und dem Baltikum als einer europäischen Region, die von intensiven Umbrüchen vor allem in ihrer jüngeren und jüngsten Geschichte geprägt ist.

Insgesamt hat der Kulturfonds Frankfurt RheinMain bereits rund 47 Mio. Euro an Fördergeldern für kulturelle Projekte zur Verfügung gestellt und so maßgeblich zur Umsetzung der verschiedenen Vorhaben beigetragen. Staatssekretär Ingmar Jung und Geschäftsführer Dr. Helmut Müller erklärten zu den kürzlich vereinbarten Förderungen: „Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr wieder aussagekräftige Projekte aus den Bereichen Kunst und Kultur unterstützen zu können. Wir sind überzeugt davon, so einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Weiterentwicklung der Rhein-Main-Region zu leisten und den Bürgerinnen und Bürgern abwechslungsreiche Impulse zu liefern, um sich nicht nur mit Kunst und Kultur sondern auch mit bedeutenden Themen der Gegenwart auseinanderzusetzen.“