Kulturfonds stellt „Kulturbarometer“ für Frankfurt RheinMain vor

Die große Mehrheit (79 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger der Städte Frankfurt a.M., Darmstadt, Wiesbaden, Hanau und Bad Vilbel sowie des Hochtaunus- und des Main-Taunus-Kreises, die – neben dem Land Hessen – dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain als Gesellschafter angehören, messen dem Kulturangebot in der Rhein-Main-Regioneine enorme Bedeutung zu, wenn es um die Attraktivität der Region für Führungs- und Nachwuchskräfte geht. Beim letzten „Kulturbarometer“ vor zwei Jahren lag die Zustimmung noch bei 68 Prozent. „Das kulturelle Angebot spielt zum Beispiel für Standortentscheidungen oder die Wahl des Studienortes, aber generell für die Attraktivität einer Region eine immer wichtigere Rolle – und es ist ermutigend, dass die breite Bevölkerung dafür ein sensibles Gespür hat“, erklärte die Vorsitzende des Kuratoriums des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Staatsministerin a.D. Ruth Wagner, heute bei der Vorstellung des „Kulturbarometers“: „Umso wichtiger ist es, die Kulturlandschaft im Rhein-Main-Gebiet, die in Deutschland einen ausgezeichneten Ruf hat, weiter auszubauen, vielfältige Angebote zu fördern und auch zu einer weiteren Vernetzung zwischen den verschiedenen Kulturinstitutionen zu kommen.“ Bereits zum dritten Mal hatte der Fonds durch das Meinungsforschungsinstitut dimap das „Kulturbarometer“ in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse der Befragung belegen, dass die Zufriedenheit mit dem in unmittelbarer Umgebung bestehenden Kulturangebot in den letzten zwei Jahren von 75 auf 81 Prozent gestiegen ist. Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, freute sich besonders, dass wie bei den beiden vorhergegangenen Untersuchungen in den Jahren 2012 und 2013 auch aktuell eine sehr hohe Zustimmung zur Arbeit des Kulturfonds festzustellen sei. „In den am Fonds als Gesellschafter beteiligten Städten und Kreisen gibt eine überwältigende Mehrheit von 88 Prozent der Befragten an, dass sie es für wünschenswert oder sogar sehr wünschenswert halten, dass ihre Stadt bzw. ihr Kreis bei der Förderung von Kunst und Kultur im Rahmen des Kulturfonds mitmacht“, hob Müller die breite Akzeptanz und Wertschätzung in der Bevölkerung hervor. Der Anteil derjenigen, die die Ansicht vertreten, dass Kulturförderung vor allem Aufgabe der öffentliche Hand sei, ist im Vergleich zu 2013 noch einmal um zwei Prozentpunkte auf 77 Prozent gestiegen.

„Mitgliedschaft im Kulturfonds bringt allen beteiligten Städten und Kreisen etwas“

„Das Kulturverständnis der Befragten ist überwiegend traditionell geprägt“, so der Geschäftsführer weiter: „90 Prozent der Befragten denken beim Wort ‚Kultur‘ vor allem an Theater und klassische Konzerte, 85 Prozent sehen vor ihrem inneren Auge eine Kunstausstellung.“ Auch Bücher (75 Prozent), Kino, Film und Fotografie (68 Prozent) würden von einem großen Teil mit dem Kulturbegriff assoziiert. Mehr als die Hälfte der Befragten verstehe außerdem Pop- und Rockveranstaltungen (56 Prozent) sowie die eigene künstlerische Betätigung (52 Prozent) als zur Kultur zugehörig. Fernsehen und Internet hingegen bringe nicht einmal ein Drittel der Befragten mit dem Wort „Kultur“ in Zusammenhang.

Bei Theater, klassischen Konzerten und Ausstellungen decken sich diese Einstellungen weitgehend unabhängig vom Alter der Befragten, die Assoziation mit dem Kulturbegriff steigt aber mit höherem Bildungsabschluss. Die Zuordnung von Kino, Film und Fotografie zum Kulturbergriff sinkt hingegen mit zunehmenden Alter: Während drei Viertel der 18- bis 34-Jährigen diese Sparten Kunst und Kultur zurechnen, sind es bei der Altersgruppe „65 plus“ nur noch 58 Prozent. Rock-und Popkonzerte empfindet mit 74 Prozent vor allem ein großer Teil der 35- bis 49-Jährigen als zur Kultur zugehörig, während es bei den über 65-Jährigen nur 31 Prozent sind.

Nutzung kultureller Angebote steigt mit Alter und Bildung

Bei der persönlichen Nutzung kultureller Angebote liegt das Lesen entgegen häufig geäußerter Sorgen auf Platz 1. 86 Prozent der Befragten geben an, Bücher zu lesen. Hier zeigen sich keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Alters-, Einkommens- und Bildungsgruppen. Es folgen Kino- und Konzertbesuche mit jeweils 70 Prozent, 63 Prozent der Befragten gehen zu Ausstellungen und Theateraufführungen. Im Schnitt würden die Befragten pro Jahr etwa fünf- bis sechsmal das Theater, eine Ausstellung oder ein Konzert besuchen. Insgesamt zeigt sich, dass je höher Alter, Bildungsniveau und Einkommen sind, desto eher gehen die Befragten zu Konzerten, ins Theater oder in Ausstellungen. Kinobesuche nehmen hingegen mit steigendem Alter deutlich ab: Während 92 Prozent der 18- bis 24-Jährigen ins Kino gehen, sind es bei der Altersklasse „65 plus“ nur noch 37 Prozent.

Insbesondere Frankfurt a. M. sei für die Bürgerinnen und Bürger Anlaufstelle Nummer eins, wenn sie kulturellen Aktivitäten nachgehen. So nehmen 86 Prozent der Befragten für Ausstellungen, 83 Prozent für Konzerte und 77 Prozent fürs Theater den Weg nach Frankfurt auf sich. Es folgen Wiesbaden und Darmstadt als wichtige „Kulturreiseziele“ im Rhein-Main-Gebiet. Selbstverständlich lasse sich feststellen, dass Darmstädter eher die Veranstaltungshäuser in
Darmstadt aufsuchen, Wiesbadener eher in Wiesbaden bleiben würden. Dennoch gebe es auch einen zunehmenden kulturellen Austausch innerhalb des
Rhein-Main-Gebietes. „Dass die Mitgliedschaft im Kulturfonds allen beteiligten Städten und Kreisen etwas bringt und der Kulturfonds vor allem auch eine
Ausgleichsfunktion zwischen Stadt und Land übernimmt, zeigt sich auch darin, dass die Befragten für Ausstellungen oder Theateraufführungen auch gerne
Anfahrtszeiten von rund einer Stunde auf sich nehmen, für Konzerte darf es mit fast 80 Minuten sogar deutlich länger dauern“, hob Müller in diesem
Zusammenhang hervor. Für einen Kinobesuch liege die Bereitschaft gerade mal bei einer halben Stunde Fahrtzeit.

Nutzer informieren sich vor allem über Tageszeitungen und Internet über Kulturtermine

Das Internet inklusive seiner sozialen Medien wie beispielsweise Youtube werde hingegen – analog zur fehlenden Assoziation mit dem Kulturbegriff – umso seltener als genutztes Kulturangebot verstanden, je älter die Befragten sind. Insgesamt geben 28 Prozent der Befragten dies bei der kulturellen Nutzung an, bei den 18- bis 24-Jährigen ist die Nutzung mit 58 Prozent jedoch doppelt so hoch. Dafür dient das Internet immer häufiger als Informationsquelle über Kulturveranstaltungen. Vor allem über Konzerte informieren sich viele Befragte online. Gerade wenn es um Theateraufführungen (58 zu 39 Prozent) und Ausstellungen (54 zu 43 Prozent) geht, übertrifft die klassische Tageszeitung das Internet als Informationsmedium allerdings bei weitem. Jedoch zeigen sich auch hier deutliche Altersunterschiede: Das Internet ist das Informationsmedium der Jungen, mit steigendem Alter informieren sich die Befragten verstärkt über die Printzeitung. Anzeigenblätter, Radio und Fernsehen sowie Plakate, Programmhefte und Flyer erreichen hingegen weniger Bürgerinnen und Bürger.

Mithilfe computergestützter Telefoninterviews hatte dimap zwischen dem 5. und dem 23. November 2015 1.353 Personen ab 18 Jahren in den Städten Frankfurt a.M., Darmstadt, Hanau, Wiesbaden und Bad Vilbel sowie dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis rund um ihr Kulturverständnis und das kulturelle Angebot in der Region Frankfurt-Rhein-Main befragt. Die Untersuchung war zuvor bereits in den Jahren 2012 und 2013 durchgeführt worden.

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