Mit „Transit“ setzt der Kulturfonds den neuen Themenschwerpunkt 2015-2017

In seiner aktuellen Förderrunde hat der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Unterstützung von acht spannenden kulturellen Projekten im Rhein-Main-Gebiet beschlossen. Insgesamt stellt der Kulturfonds Fördermittel in Höhe von fast 2,5 Millionen Euro bereit. „Wir freuen uns mit dieser Förderrunde wieder viele wertvolle Projekte unterstützen zu können und somit die kulturelle Vielfalt und Qualität unserer Region ausbauen und mit großer Strahlkraft nach Außen zeigen zu können“, stellte der Vorsitzende des Kulturausschusses des Kulturfonds Frankfurt RheinMain und Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Jochen Partsch, heraus.

Nach den erfolgreichen Themenschwerpunkten „Phänomen Expressionismus“ und „Impuls Romantik“ startet der Kulturfonds mit „Transit“ für die Jahre 2015 bis 2017 sein neues übergreifendes Thema, das in den letzten Monaten mit vielen Kulturakteuren im Dialog und Austausch vorbereitet worden ist. „Mit ‚Transit‘ laden wir Kulturakteure der Region ein, die Bedeutung von Transit für Frankfurt RheinMain durch kreative Projekte zu interpretieren. Der Themenschwerpunkt verspricht neue wichtige und spannende Einsichten und Erkenntnisse und schon die derzeit vorliegenden Förderanträge lassen erwarten, dass an die Erfolge der vorherigen Schwerpunkte angeknüpft werden kann“, teilte der Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Dr. Helmut Müller, mit. Partsch betonte ebenfalls die Bedeutung des neuen Schwerpunktthemas: „Die Region Frankfurt RheinMain ist nicht nur geographisch und verkehrstechnisch ein zentraler Schnittpunkt in Deutschland, Europa und der Welt, sondern auch für Kunst und Kultur ein ganz besonderer Standort. Deshalb ist es wichtig, den Aspekt des ‚Transits‘ in verschiedensten Kunst- und Kulturprojekten herauszuarbeiten und für die Menschen greifbar zu machen.“ In der neuen Förderrunde werden Projekte unterstützt, die exemplarisch für „Transit“ und die Kulturregion Frankfurt RheinMain stehen sowie Aspekte der Bildung und Wissenschaft mit Kunst und Kultur regional als auch international verbinden.

Kulturfonds und Bad Vilbel streben Kooperationsvereinbarung an

Die Gesellschafterversammlung des Kulturfonds machte außerdem einstimmig den Weg frei für den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Bad Vilbel. Danach würde Bad Vilbel – wie seinerzeit Hanau – eigene Beiträge in voller Höhe in den Fonds einzahlen, um auch von der Förderung von Projekten profitieren zu können und hätte drei Jahre Zeit für die Entscheidung, endgültig Vollmitglied im Kulturfonds Frankfurt RheinMain zu werden. „Wir haben in den letzten Monaten sehr gute, vertrauensvolle Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt geführt“, berichteten Jochen Partsch und Helmut Müller. Sie seien fest davon überzeugt, dass der Fonds und die Stadt Bad Vilbel, in der Kultur und Kulturförderung nicht nur dank der Burgfestspiele einen hohen Stellenwert haben, sich gegenseitig befruchten könnten.

Geförderte Projekte spiegeln Startschuss für „Transit“ wider

Dass es nicht die eine Auslegung von „Transit“ gibt, sondern die Vielschichtigkeit des Begriffs viel Platz für künstlerische Interpretationen gibt, zeigt sich in der Vielfalt der geförderten Projekte zum neuen Schwerpunktthema: So zeigt das Konzertprojekt „One Day in Life“der Alten Oper in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind, dass nicht nur Menschen sich bewegen, sondern auch Kunst an den verschiedensten Orten stattfinden kann und klassische Musik nicht an den üblichen Konzertrahmen gebunden sein muss. Das Leben eines Menschen – u. a. bestehend aus Geburt, Veränderung, Einsamkeit, Wissen und Tod – wird hier symbolisch in Musik übersetzt und an außergewöhnlichen Orten Frankfurts in Szene gesetzt. Das Musiktheaterwerk „AGOTA – Die Gute“, das in Zusammenarbeit der Landeshauptstadt Wiesbaden, dem Hessischen Staatstheater und dem Hessischen Rundfunk entsteht, übersetzt historische, aber auch heutige Identitätskrisen ins musikalische. Anhand der Werke und der Biografie der Autorin Ágota Kristóf, die im stalinistischen Ungarn aufwuchs und später in die Schweiz emigrierte, wird ein interdisziplinäres Musikprojekt erarbeitet, das musikalische Komposition mit literarischer Sorgfalt verknüpft und zeigt, wie biographische und politische Kontexte miteinander verwoben sein können. Das Ziel der dreijährigen Initiative „Tanzplattform RheinMain 2016-2018“, die in Kooperation des Hessischen Staatsballetts Darmstadt/Wiesbaden mit dem Künstlerhaus Mousonturm entsteht, ist hingegen den kulturellen Wert von Tanz auf einem Spitzenniveau für möglichst viele Menschen im Rhein-Main-Gebiet durch innovative Leuchtturmprojekte erfahrbar zu machen. Das Museum Wiesbaden wendet sich in seiner Ausstellung „Caravaggios Erben – Barock in Neapel“ der Entwicklung der neapolitanischen Malerei des Barock im 17. Jahrhundert zu. Ausgehend von den innovativen Malereien Caravaggios (1571-1610) und weiterer bekannter Künstler wie Salvator Rosa und Francesco Solimena werden anhand von 120 Gemälden und Papierarbeiten aus aller Welt die Vielseitigkeit des neapolitanischen Barock und dessen europäische Vernetzung visualisiert.

Kulturfonds sichert Frankfurt LAB für ein Jahr – Dauerhafte Lösung muss gefunden werden

Der Kulturfonds hat beschlossen, sich ferner im Rahmen der neuen Förderrunde zu engagieren, um den Fortbestand des Frankfurt LAB für das kommende Jahr zu sichern. Jenseits dieses Beitrages zur Rettung wurde die Erwartung geäußert, dass es in den nächsten Monaten gelingt, eine dauerhafte Lösung für diese Institution zu finden, die mittlerweile einen elementaren Bestandteil der Kunstlandschaft von Frankfurt RheinMain darstellt. 2009 durch das Ensemble Modern, die Hessischen Theaterakademie, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Künstlerhaus Mousonturm und die Forsythe Company gegründet eröffnet das LAB einzigartige Räume für zeitgenössische Musik und darstellende Künste. Als Labor der Künste der Zukunft erhalten junge Künstler hier die Chance frei und selbstständig an die Kunst heranzugehen, so dass jedes Jahr bis zu 70 qualitativ hochwertige Produktionen auf die Beine gestellt werden.

Neben zeitgenössischer Kunst wird mit der
Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt erstmals der Fokus auf das Schaffen der Künstlerinnen aus dem frühen 20. Jahrhundert gelegt. Anhand von etwa 330 Werken wird deren großer Beitrag zur Entwicklung der Moderne und u. a. der Stilrichtungen des Expressionismus, des Futurismus und der Neuen Sachlichkeit nachgezeichnet.

Kulturfonds verbindet Wissenschaft und Bildung - und über Grenzen hinweg

Zudem hat sich der Kulturfonds eine bessere Verbindung von Wissenschaft und Bildung zum Ziel gesetzt, insbesondere durch die Förderung von Projekten aus den Sparten Musik und bildender Kunst. Im Rahmen dessen fördert der Kulturfonds unter anderen die 48. Internationalen Ferienkurse für Neue Musikin Darmstadt im August 2016, die eine ganz besondere Verbindung von Raum und Musik herstellen; und in diesem Rahmen auch das alle zwei Jahre stattfindende Festival der Jungen Deutschen Philharmonie, das im kommenden Jahr unter dem Motto „Freispiel 2016: still“ den Bogen von der Gegenwart, über die Wiener Schule bis in die Romantik spannen will. Im Zentrum des Festivals steht das das jüngste Violinkonzert der britischen Komponistin Rebecca Saunders, das durch die „Lulu Suite“ von Alban Berg konterkariert und um ein weiteres Stück aus der Romantik ergänzt wird. Unter dem Motto „Into the City“ wird mit Konzertprojekten, Kursen und Workshops das 70-jährige Jubiläum der Ferienkurse gefeiert, die noch stärker als bisher im Stadtzentrum präsent sein werden und einen Fokus auf das räumliche Erleben von Musik legen. Die Ausstellung „Gefährliche Liebschaften – Französisches Rokoko um 1750“ der Liebighaus Skulpturensammlung nimmt sich die Epoche des Rokoko zum Thema. Skulpturen, Gemälde und Porzellanfiguren zeigen wie vielschichtig Liebe sowie die Bedeutung von Gefühlen und Leidenschaft in der Kunst des französischen Rokoko in der Zeit zwischen 1720 und 1780 wahrgenommen und diskutiert wurden. Die Ausstellung knüpft an die in den vergangenen Jahren im Städel Museum gezeigten Ausstellungen „Schwarze Romantik“ sowie „Schönheit und Revolution – Klassizismus“ an und ermöglicht so einen umfassenden Blick auf die Vielfalt des Rokoko.

Schwerpunktthemen mit mehr als 10,5 Millionen Euro gefördert

Bereits mit dem ersten Schwerpunktthema des Kulturfonds, „Phänomen Expressionismus“ (2009-2012), drangen die Institutionen des Rhein-Main-Gebiets mit gebündelter Kraft über ihre Grenzen hinaus. „Impuls Romantik“ (2012-2015) zeigte erneut, welches Potential die Region hat, und lockte bis zum offiziellen Projektende im Frühsommer 2015 insgesamt 350.000 Besucher an. Die beiden Schwerpunktthemen wurden mit rund 10,5 Mio. Euro gefördert.

Insgesamt sei es dank des Kulturfonds möglich gewesen, bislang rund 40 Mio. Euro zusätzlich für kulturelle Projekte zur Verfügung zu stellen und damit Projekte zu ermöglichen, die ohne den Fonds nicht hätten realisiert werden können. „Diese Zahlen und die herausragende Resonanz bei den Kulturinteressierten aus der Region aber auch von außerhalb sind ein Beleg dafür, dass der Fonds seit Bestehen mit seinen Schwerpunkten in der Kulturregion Rhein-Main wertvolle Impulse gegeben hat“, resümierte Dr. Müller abschließend. Auch Partsch zeigte sich vom Engagement und der Entscheidung des Kulturfonds überzeugt: „Natürlich ist uns auch dieses Mal die Entscheidung bei der Vielzahl an Anträgen für kulturell wertvolle Projekte nicht leichtgefallen. Dennoch sind wir sicher, die richtigen Projekte zu unterstützen, die die gesamte Kulturregion auf ganz besondere Weise nach außen repräsentieren und somit weiter stärken werden. Mit den geförderten Projekten und dem Schwerpunkt ‚Transit‘ können wir uns auf eine Zeit mit vielen neuen, kulturellen Highlights in der Rhein-Main-Region freuen.“

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain wurde im Jahr 2007 auf Initiative der Hessischen Landesregierung als GmbH mit Sitz in Bad Homburg gegründet. Hauptaufgabe des Kulturfonds ist es, die Metropolregion Frankfurt RheinMain durch kulturelle Zusammenarbeit besser zu vernetzen, die Attraktivität zu stärken sowie die kunst- und kulturgeschichtliche Tradition der Region zu dokumentieren. Der Fonds fördert neben regionalen vor allem auch Kulturprojekte mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Dank der Zuwendung seiner Gesellschafter konnte er bislang rund 40 Mio. Euro Fördermittel bereitstellen.